Ferien im Wattenmeer

Schleswig-Holstein. In der feuchtesten Fußgängerzone der Welt „schwimmen“ zehn grüne Palatschinken. Auf den sogenannten Halligen richtet sich das Leben nach den Gezeiten. Bei Sturmflut werden sie überschwemmt. Auf einigen, etwa Hooge, kann man urlauben.

Wind im Haar, Salz auf den Lippen. Auf Hallig Hooge im nordfriesischen Wattenmeer wohnen Urlauber unterm Reetdach und lauschen dem Gekreische der Seevögel. Baden können sie hier auch. Im Sommer wird das Wasser sogar 20 Grad warm. Aber darauf kommt es nicht an. Die meisten schätzen die Ruhe im Nationalpark Wattenmeer und die herbe Exotik der Nordsee. Hallig Hooge ist eine von zehn Halligen vor der Küste Nordfrieslands. 5,6 km² klein. Eine Insel, die keine ist. Halligen sind Auflandungen der Nordsee, ragen nur zwei, drei Meter über die Wasseroberfläche. Bei Sturm werden sie überflutetet. “Land unter” heißt es dann.

Hallige Hooge

Hallige Hooge

Etwa zehn Mal im Jahr passiert dies auf Hooge – meist im Winter. Dann schauen nur mehr die Häuser aus dem Wasser, die etwas erhöht auf aufgeschütteten Erdhügeln, den so genannten Warften, stehen. Tiere, Autos und alles was nicht niet- und nagelfest ist wird eilig auf diese Warften gebracht, Türen und Fenster verbarrikadiert. Rundum tost das Meer. Ein Weltuntergangsspektakel. Im putzig kleinen Sturmflutkino werden Kurzfilme über Sturmfluten auf Hooge gezeigt. Hollywoods Horror-Thriller sind dagegen Märchenstunden.

Im Frühling und Sommer ist Hooge ein Idyll. Saftig grüne Wiesen auf denen Schafe und Kühe weiden, ein paar Backsteinhäuser auf neun Warften, eine Kirche, ein Hafen für Sportsegler, ein Geschäft, ein Schutzraum, ein Kindergarten für drei Kinder, eine Schule für drei Schüler, sieben Kneipen, 50 Autos, keine Tankstelle. Benzin kommt in Kanistern vom Festland.

110 Menschen leben auf Hooge – längst nicht mehr so abgeschieden wie einst. Die Hallig ist bei Natur-Urlaubern gefragt. Bürgermeister Matthias Piepgras freut sich über mittlerweile 90.000 Gäste pro Jahr, trotz bescheidener Unterkünfte. Tendenz steigend. Ein gutes Geschäft das er brauchen kann. Hooge ist die höchst verschuldete Gemeinde Deutschlands.
Aber was machen Urlauber dort?
Dem Geschnatter Tausender Wildgänse und Zugvögel lauschen, die auf den Halligen Station machen und brüten. Im Strandkorb den Tag verdösen. In den heimeligen Wohnzimmer-Kneipen Pharisäer (Kaffee mit Rum) und Tote Tante (Kakao mit Rum) trinken. Spazieren gehen. Ausflüge zu anderen Halligen oder den nahen Inseln Pellworm und Amrum unternehmen (Fähren fahren täglich).

Oder – und das ist ein Muss – Wattwandern. Möglichst barfuß, damit man bis zu den Knöcheln im samtweichen Schlick versinkt. Das empfiehlt Wattführer Michael auf seinen Pirschtouren nach den “Small Five” – den “Stars” unter den winzigen Tierchen, die zu Millionen das Watt bevölkern. Mit einer Mistgabel bewaffnet marschiert er durch die feuchteste Fußgängerzone der Welt, hält plötzlich inne, sticht in den schlammigen Nordseeboden und gräbt sie aus: Wattwurm, Herzmuschel, Strandkrabbe Wattschnecke und Nordseegarnele. Auch die “Big Five” der Nordsee stehen bei Touren im Nationalpark Wattenmeer auf dem Safari-Programm: Seehund, Kegelrobbe, Schweinswal, Seeadler und europäischer Stör.

Seit 2009 ist das Wattenmeer nicht nur Biosphärenpark sondern auch UNESCO-Weltnaturerbe. Die einzigartige Landschaft verwandelt sich alle sechs Stunden vollkommen. Wenn die Flut zurückgeht, liegen 10.000 km² Meeresgrund trocken, die größte Wattfläche der Welt wird zum riesigen Buffet für Millionen Wattvögel, bestückt mit Fischen, Krabben, Kleinstlebewesen.

Ohne Führer sind Wattwanderungen gefährlich. Kommt die Flut, füllt sich das Watt stellenweise dramatisch schnell wieder mit Wasser und schneidet Wege ab. “Auch der Seenebel ist gefährlich”, warnt Michael.
Das Naturwunder Wattenmeer mit all seinen Phänomen, seiner Flora und Fauna begreift man am schnellsten im “Multimar Wattforum” in Tönning auf der Halbinsel Eiderstedt. Das Info-Zentrum bietet detaillierte Einblicke in den Artenreichtum des Wattenmeers, das zu den produktivsten Lebensräumen unseres Planeten zählt.

Idealerweise verbindet man einen Besuch oder Urlaub auf den Halligen mit einer Sightseeing-Tour entlang der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Schnuckelige Dörfer und Städtchen mit Backsteinhäusern, Deiche, endlose Marschwiesen, Schafe und Leuchttürme säumen den Weg. Und über allem spannt sich ein endlos weiter Himmel. Die Hälfte der Landschaft ist Himmel.

Lohenswerte Ziele sind z. B. die Seebäder St. Peter-Ording und Büsum. St. Peter-Ording punktet mit dem breitesten Sandstrand an der Nordsee (zwei Kilometer). Büsum hat den einzigartigen Grünstrand – drei Kilometer Rasenstrand mit 2000 Strandkörben, ein renommiertes Thalasso-Kurzentrum und das Sturmfluten-Museum, in dem man in einer Rettungskapsel durch eine virtuelle Sturmflut reisen kann.

⇒ Mehr Bilder hier auf meiner Fotogalerie Nordsee und Wattenmeer


INFOS
ANREISE
Z. B. Flug & Mietauto: Etwa mit Air Berlin von Wien nach Hamburg, Mietauto dazu buchbar (ab ca. 30 €/Tag). Bei Anreise mit eigenem Pkw ab Wien empfiehlt sich der Autozug bis Hamburg. Distanz Wien–Husum 1120 km, Fahrzeit gute elf Stunden.
UNTERKÜNFTE  Auf der Hallig Hooge gibt es zwei kleine Pensionen und rund 30 Privatvermieter, die Zimmer und Ferienwohnungen anbieten. In Husum ist das Hotel Altes Gymnasium eine gute und charmante Adresse. In Tönning gilt das Biohotel Miramar als empfehlenswert, allein schon wegen der Küche.
FÄHRE  Die Reederei Wyker fährt täglich zweimal von Schlüttsiel nach Hooge, Fahrzeit 1Stunde,  Auto muss man in Schlüttsiel parken.
AUSFLUGS-KREUZFAHRTEN Z. B. in die Welt der Halligen oder zu den Seehund- und Robbenkolonien im Nationalpark Wattenmeer bietet ab Hooge und Schlüttsiel die Reederei Heinrich von Holdt, bzw. die Reederei Adler-Schiffe ab diversen anderen Häfen in der Region.
AKTIVITÄTEN Watt-Safaris, Ausfahrten mit Fischern, diverse Naturerlebnisse im Nationalpark, Kitesurfen, Radeln, Wandern, Reiten oder Kutschen fahren sind nur einige der vielen Möglichkeiten.
ESSEN Gault Millau bestätig es: SchleswigHolstein ist eine Feinschmecker-Hochburg. Rund  zwei Dutzend Restaurants sind mit mehr als 15 Punkten ausgezeichnet. Typisch auf den Speisekarten: Fisch (vor allem Hering und Krabben), Schaf, Rind und Kohl. Die Region Dithmarschen ist mit 2000 Hektar das größte Kohl-Anbaugebiet Europas.
AUSKÜNFTE  Nordsee-Tourismus, www.nordseetourismus.de

Slow Travel durchs Traisental

Radtour vom Wallfahrtsort Mariazell in der Obersteiermark nach St. Pölten mit einem Abstecher nach Türnitz. 106 Kilometer durch eine fantastisch schöne Landschaft.

© Mostviertel Tourismus, weinfranz.at

© Mostviertel Tourismus, weinfranz.at

Eigentlich ist der Traisental-Radweg ja 111 Kilometer lang und verläuft von Traismauer an der Donau über St. Pölten und durchs Traisental bis zur Basilika von Mariazell. Weiterlesen

Österreichs niedrigst gelegene Alpenvereinshütte ist ein Juwel

Buschberghütte. Sie steht nicht in Tirol, Salzburg oder der Steiermark, sondern am Buschberg im Weinviertel und liegt knapp über dem Meeresspiegel, auf 480 Meter im Naturpark Leiser Berge.

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Seit ich sie entdeckt habe, zieht es mich immer wieder hin. Die Buschberghütte auf 480 Meter ist die am niedrigsten gelegene Alpenvereinshütte. So wie sie ausschaut, könnte sie aber auch in den Hohen Tauern stehen. Innen holzgetäfelte Stuben mit Geweihen und einer Schützenscheibe an den Wänden. Im Obergeschoß ein Matratzenlager. Außen wettergegerbte, schwarzbraune Balken, grüne Fensterläden und ein Fundament aus Stein. Drumherum Wald und Vogelgezwitscher. Ich fühl’ mich wie in den Tiroler Bergen. Der Buschberg ist mit 491 Metern ja immerhin der höchste Gipfel im Weinviertel. Weiterlesen

Nach Urlaub in Spanien: Nicht verzweifeln bei Verkehrsstrafe

Wenn Ihnen nach dem Spanien-Urlaub ein Strafmandat z. B. wegen Geschwindigkeitsüberschreitung ins Haus flattert, müssen Sie die Strafe wohl oder übel bezahlen. Nur wie? Wenn Sie nicht Spanisch können, ist das eine fast unlösbare Aufgabe. Hier lesen Sie, wie Sie diese Hürde meistern.

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Wein & Waldviertel. Landpartie mit Bahn und Rad

Slow Travel hin und retour. Mit der Nostalgiebahn Reblaus-Express von der Weinstadt Retz ins schöne Städtchen Drosendorf im Waldviertel. Und retour mit Muskelkraft auf dem Reblaus-Radlweg. Ein gemütlicher Tagesausflug durch eine noch sehr gemütliche Region.

Ein langer Pfeifton und los geht’s. Rumpelnd und quietschend müht sich der Nostalgiezug Reblaus-Express von der Weinstadt Retz nach Drosendorf im herben Waldviertel – vorbei an Weingärten, gelb blühenden Rapsfeldern, Wiesen, Teichen und Wäldern. Eine Oldtimer-Diesellok zieht drei historische, grüne Waggons, einen Heurigenwagen, in dem ein Winzer aus der Region Köstlichkeiten serviert, und einen Gepäckwaggon, in dem die Fahrräder verstaut sind.

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Für die 40 Kilometer lange Strecke braucht der Zug bergauf Richtung Drosendorf eine Stunden und 35 Minuten, retour eine Stunde und 15 Minuten. Weiterlesen

Slow Travel & Backyard Travel

Die neue Schiene auf meinem blog „reisen made by jeller“. Denn, wie sagte schon Goethe: „Nur wo man zu Fuß war, war man wirklich.“ Und da ist was dran.

Ich war zwar schon fast überall auf der Welt, auf allen fünf Kontinenten und in beinahe allen Ländern und möchte keine einzige gemachte Reise missen. Aber je älter ich werde, umso mehr verstehe ich den guten alten Johann Wolfgang. Oft liegt die Schönheit des Reisens ja wirklich im gemächlichen Erleben von Details. Wer von einem touristischem Highlight zum nächsten hastet, bringt sich um diese Chance.

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Weniger ist mehr. Deshalb versuche ich nun, mir fürs Reisen mehr Zeit zu nehmen. Unter dem Motto: weniger ist mehr. Und ich versuche, wo immer es möglich ist, die Welt zu Fuß, mit dem Rad, mit Lokaleisenbahnen, Linienbussen und mit dem Mofa zu entdecken. Möglichst abseits der touristischen Hauptverkehrsrouten. Das schafft mehr Kontakt zu Land und Menschen. Und hat den Effekt, dass scheinbare Kleinigkeiten zu Attraktionen wachsen – ein blühendes Rapsfeld etwa, ein Bussard der über mir kreist, ein uriges Dorfgasthaus, ein Hügel mit Blick ins Land, auf dem ich alleine stehe, ein Plausch mit Einheimischen. Weiterlesen

Stockholm: Auf zum Songcontest-Held

12 Reisepunkte für Schwedens Hauptstadt von mir.

Während Österreich wegen der 0 Songcontest-Punkte noch in Schockstarre liegt, war ich schnell in Stockholm, der Bühne für den Songcontest 2016. Mein Tipp: Hin fliegen! Die Stadt ist ein Hammer! Nicht nur für Helden!

Noch nicht überzeugt? Dann lies meine Stockholm-Story. Zur Reportage

Komodo: Bei den Drachen aus der Urzeit

Urvieh mit Biss. Auf drei indonesischen Inseln leben noch 2500 der urzeitlichen Riesen-Warane. Auf drei Meter darf man ihnen nahekommen.

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Unwirkliche Welt. Das kleine Holzschiff tuckert durch eine unwirklich scheinende Welt. Durch ein Gewirr von kleinen, mit giftgrünem Gras bewachsenen Inseln. Da sieht eine aus wie ein Kopf, eine andere wie ein gezackter Rücken auf dem ein paar Palmen wie Stacheln wachsen.

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Tödlicher Speichel. Irgendwo da draußen, in diesem zerzausten Vulkan-Archipel zwischen den kleinen Sundainseln Sumbawa und Flores, wartet etwas Unheimliches. Drachen aus der Urzeit. Die größten Echsen der Welt. Die Warane von Komodo. Weiterlesen

Istrien. Malvasia-Festival und Tag der offenen Weinkeller

Weinliebhaber aufgepasst. Ende Mai gibt es auf der kroatischen Adria-Halbinsel zwei spannende Events.

Brtoniglia

Im idyllischen Weindorf Brtonigla im Norden Istriens erlebt das Malvasia Wein Festival am 30./31. Mai seine 31. Auflage. Weinkeller-Führungen mit hochkarätigen Verkostungen sowie fachmännische Informationen rund um die Geheimnisse des Malvasia-Anbaus stehen auf dem Programm.

Ebenfalls bereits Tradition hat der Tag der offenen Weinkeller Istriens am letzten Sonntag im Mai (31.5.2015), an dem heuer rund 80 Winzer ihre Keller öffnen und zu genussvollen Verkostungen laden. Neben den bereits international bekannten Weinbauern sind auch einige junge aufstrebende Qualitätsfanatiker mit dabei.

Infos Tourismusverband Istrien


Ich war ja erst kürzlich in Istrien unterwegs und habe Küche und Weine lieben und schätzen gelernt. Die Qualität ist mittlerweile auf internationalem Top-Niveau.

Die aktuellsten Istrien-Storys auf diesem blog: Acht Kilometer Spanferkelstraße  /  Bikerparadies Istrien  /  Rad-Abenteuer Parenzana

Australiens Wunderwelten

Am fünften Kontinent ist die Natur der Hauptdarsteller. Über und unter Wasser. Ein Roadtrip von der West- bis zur Ostküste, von Nord bis Süd und ins rote Herz zum Ayers Rock.

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Klick, klick, klick – der Ayers Rock ist Australiens Topmodel

Durch die Wüste. Die Hitze, der Staub, die Mücken – auf dem Stuart Highway von Alice Springs zum Kings Canyon und Ayers Rock wird man die Wüste nicht los. 350 Kilometer rote Erde und ein schwarzes Asphaltband das schnurgerade in den Horizont läuft. Doch es gibt Abwechslung: „Wir haben ein Highlight vor uns“, sagt Nico, unser Guide und Fahrer. „Eine Rechtsabbiegung! Das machen wir zwei Mal, dann sind wir am Kings Canyon“. Weiterlesen