Abenteuer

Albanien: Drei Autos und ein Stau

 

Das bitterarme Balkanland hofft auf  Touristen. Aber zahlt sich ein Urlaub dort auch aus? Was bietet das Land? Wie schön sind die Strände? Ist es gefährlich? In den nächsten Tagen werde ich ausführlich darüber berichten.

Moschee in Gjirokastra

Moschee in Gjirokastra

Einreise in Albanien. Die Neugier auf dieses Land ist riesig. Meine Vorstellungen fremdgesteuert. Die Straßen sollen schlecht sein, warnt man mich! Aufpassen vor Taschendieben!

Und sonst? Was gibt es zu sehen? Wie sind die Strände? Wie die Küste? Das Essen? Die Menschen? Darüber erfahre ich wenig von meinen Beratern.

Jetzt stehe ich an der Grenze. Zwei Autos vor mir und nichts geht weiter. Ist Albanien doch noch tiefster Balkan? Endlich bin ich dran. Strenge Beamtin hinter Glas. Mustert mich, dann mein Auto. Pass wird gescannt – das dauert. Dann Autopapiere vorzeigen. Kein Lächeln. Ich verkneife mir jede Witzigkeit. Wer weiß? Ich kann es noch nicht einschätzen: Ist es nur übliches Uniform-Verhalten oder albanische Mentalität?

Gjirokastra

Kaffeehaus-Straße in Gjirokastra

Albanien könnte sympathisch sein. Eine halbe Stunde später bin ich schon schlauer. Stopp bei einem Kaffee-Restaurant. Personal spricht kein Englisch, kein Italienisch, kein Deutsch. Ich kein Albanisch. Ich übe mich in Gestik, um ein Frühstück zu bekommen. Hand zum Mund. Fingerzeig auf die Espressomaschine und die Pfanne. Dazu ahme ich Eier aufschlagen nach und sage noch sicherheitshalber Omelette. Die Albanerin lacht, lässt einen Wortschwall los und beendet ihn mit „Yes, yes“. Das klingt vielversprechend.

Ich bekomme einen perfekten Capuccino, ein nicht bestelltes Brioche-Kipferl mit Schokolade gefüllt und – yes, yes!!!! – mein Omelette. Albanien könnte sympathisch sein.

Kaum Englisch. Ein paar Unterschiede zu Griechenland, von wo ich gerade komme, fallen gleich auf. Die Klotüren sind in Albanien versperrbar. Dafür ist Englisch nicht mehr selbstverständlich. Italienisch sollen zwar fast alle können, erklärt mir ein Albaner, weil man zu Zeiten des paranoiden kommunistischen Diktators Enver Hodscha heimlich italienische Sender gehört hat. Aber so viele dürften sich das nicht getraut haben. Für mich ist ab nun klar: Wer halbwegs Italienisch spricht, war im Widerstand.

Achsenkiller. Die Straßen scheinen nicht so schlecht wie behauptet zu sein. Zumindest die Küstenstraße, auf der ich derzeit unterwegs bin, ist in tadellosem Zustand. Höllisch aufpassen muss man aber auf Querrinnen, die oft unverhofft und tief sind, und auf die Speedkiller-Schwellen in den Dörfern. Das sind wahre Achsenkiller. Gute 30 Zentimeter hohe Nudeln aus Asphalt und farblich nicht markiert. Also erst im letzten Moment zu sehen.

UNESCO Weltkulturerbe Gjirokastra

UNESCO Weltkulturerbe Gjirokastra

Drogendorf. Noch bin ich keine zwei Stunden in Albanien und sehe kurz vor der Weltkulturerbestadt Gjirokastra, in der Hodscha geboren wurde, nur mehr Polizei. Straßensperren, grimmige Burschen mit Maschinenpistolen, musternde Blicke.

Funktioniert so Albanien immer noch? Es dauert bis mir einer erklärt: „Cannabis! Produktion! Offensiva.“ Im Dorf Lazarat wird seit Jahren, gedeckt von oben, Hanf in Großplantagen angebaut. Jetzt soll Schluss damit sein. 800 Polizisten sind im Razzia-Einsatz. Die Hanffelder brennen. Das Drogendorf verteidigt sich mit Panzerfäusten und Maschinengewehren. 4,5 Milliarden Euro wurden hier jährlich mit Rauschgift verdient, das entspricht fast der Hälfte des albanischen Bruttoinlandsprodukts.

Stadt aus Stein. Viel erfreulicher ist Gjirokastra. Die in einen steilen Hügel gebaute „Stadt aus Stein“ im Flusstal des Drino ist Weltkulturerbe. Die zwei- und dreistöckigen Steinhäuser stammen aus der Osmanen-Zeit, haben hohe Fenster und sind mit Steinplatten gedeckt. Ein ausgeklügeltes Belüftungs- und Wassersystem sorgte dafür, dass die Innenräume kühl blieben. Einige Häuser, einstiger osmanischer Großgrundbesitzer, sind heute Museen und kann man besichtigen.

Offener Kamin im Skenduli-Haus

Offener Kamin im Skenduli-Haus

Das 300 Jahre alte Skenduli-Haus zum Beispiel ist seit dem Ende der Hodscha-Diktatur wieder in Privatbesitz. Frau Skenduli  (9. Generation) zeigt uns mit ihrem Sohn auf dem Arm das Haus. Drei bis vier Familien wohnten hier. Es gibt mehrere Küchen, einen eigenen Raum für Hochzeiten und einen Prunkraum für die Zusammenkünfte der Männer. Die Frauen durften von der Empore aus den Beratungen zusehen. Und überall sind Gucklöcher, damit man sehen konnte, wer im Hof ist oder wie viele Personen im Gästeraum sind. Im Parterre gibt es einen mit Wasser gekühlten Lagerraum und einen Schutzbunker, der in Zeiten der Familienkriege recht häufig benutzt werden musste.

In Gjirokastra hofft man, wie überall im Land auf mehr Touristen. Die Region im Süden Albaniens ist besonders arm und nach wie vor von Abwanderung betroffen.

An der Küste Albaniens sind da schon mehr Touristen. Darüber und wie Albanien sonst so funktioniert poste ich morgen und in den nächsten Tagen.

Bildgalerie Gjirokastra in Südalbanien

 

 

Kategorien:Abenteuer, Albanien, Europa, Kultur

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