Abenteuer

Sommerfrische am Polarkreis

Lofoten & Vesteralen. Die beiden norwegischen Inselgruppen sind im Sommer betörend schön. Eine Reise im faszinierenden Licht der Mitternachtssonne 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. 

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Die Windjacke liegt immer griffbereit am Auto- Rücksitz, die Jausenbox gut gefüllt im Kofferraum und der Tank ist zumindest immer Viertelvoll. Diese Grundregeln beherzigt man schnell bei einer Autotour auf den Lofoten. 200 Kilometer nördlich des Polarkreises ist die Versorgungslage bescheiden und die Luft auch im Hochsommer rau. 80 Inseln, 24.000 Einwohner, wenige Hotels, wenige Restaurants, wenige Tankstellen.

Aber die Landschaft! Gewaltig. Grandios. Von den Gletschern der Eiszeit und der Gewalt des Atlantiks geschunden, zerrissen, geformt.

Die Lofotenwand zum Beispiel. Wie der Kamm eines Drachen wächst sie fast senkrecht aus dem Meer. Granit und Lavagestein, dunkel mystisch, 1200 Meter hoch. Die Gebirgskette zieht sich 110 Kilometer über alle Inseln.

Von den Nordhängen reichen Schneereste auch im Sommer bis hinunter zu den tiefblauen Fjorden, die wie Adern das Land durchdringen. An ihren Ufern liegen saftig grüne Wiesen mit Heidekräutern, Dotterblumen und weißen Sandstränden. Rot und weiß lackierte Holzhäuser geben dem Landschaftsbild noch das Quäntchen mehr an Farbe, das es braucht um fröhlich zu stimmen. Vor allem in den immer dunkeln Wintermonaten. Im stahlklaren Sommerlicht des Nordens leuchtet die Landschaft wie in Acryl gepinselt. Wie einst Wolfgang Ambros muss ich mich zwicken, um sicher zu sein, dass ich nicht träume.

Baden??? Spätestens wenn man an einem der blendend weißen Sandstrände, die einen da ständig zu einem Badestopp verleiten, die Zehe ins Meer taucht, weiß man, dass man nicht träumt. Das Wasser ist gerade noch keine Eisscholle. Acht Grad kalt? Zehn Grad? „In beetween“, lacht der junge Bursch, der am herrlich breiten Strand von Unstad auf der Insel Vestvagøya gerade gute zwei Minuten in diesem Eismeer schwamm. Ich stand inzwischen bis zu den Knöcheln im Wasser. Gestoppte sechs Sekunden hielt ich es aus, bis ich jammernd und vor Kälteschmerz hüpfend aufgab. Die Lofoten-Insulaner müssen eine Wal-Haut haben.

Land im Neonlicht. Am schönsten sind die Lofoten zur Zeit der Mitternachtssonne von Mai bis Ende August. Wenn zwischen null und vier Uhr morgens das Licht regelrecht gespenstisch wird, kalt wie Neon und irgendwie diesig, wie ein leuchtender Nebel. Da wirkt die Landschaft fast außerirdisch und es gelingen die interessantesten Fotos.

Außerdem ist man nie in Eile. Im Lofoten-Sommer hat man täglich 24 Stunden Zeit mit dem Auto durch die Gegend zu cruisen, zu schauen, zu fotografieren, in den neonhellen Nächten auf irgendwelche Hügel zu rennen und übers Land zu schauen. Und auf die Fjorde, in denen die Schrauben der Fährschiffe weiß schäumende Furchen ziehen.

Eine Woche ist die richtige Zeit-Dosis für die Lofoten. Das reicht, um sich satt zu sehen, die schmucksten Inseln und Fischerdörfer zu besuchen, eine Wal-Safari zu machen, ein bisschen zu Wandern und eine Etappe mit einem Hurtigruten-Schiff zu fahren – am besten von Stokmarknes, dem Heimathafen der Hurtigruten, nach Svolvaer. Das ist für viele der reizvollste Abschnitt der Hurtig-Route zwischen Bergen und Nordkap. Spektakulärer Höhepunkt ist die Fahrt in den engen Trollfjord mit Wendemanöver zwischen den 500 Meter senkrecht aufragenden Felswänden. Eine Meisterleistung der Kapitäne.

Gute Route. Auch die unmittelbar nördlich anschließende Inselgruppe der Vesteralen lassen sich in einer Woche noch mitnehmen. Empfehlenswert ist etwa die Tour von Bodø (Zielflughafen) entlang der Fjord-Landschaften nach Narvik und entlang des Ofoten-Fjordes auf die Vesteralen und weiter auf die Lofoten.

Auf den Vesteralen bietet sich in Andenes auf der Insel Andøya die bequemste Gelegenheit für Wal-Safaris. Unbedingt ansteuern muss man auf den Vesteralen auch Nyksund auf der Insel Langøya. Das 1977 verlassene, wunderschön in einer Bucht gelegene Fischerdorf wird gerade wieder zum Leben erweckt, ist aber immer noch eine morbide Idylle in fantastischer Landschaft. Ein Berliner Pädagoge startete vor 13 Jahren ein Revitalisierungsprojekt. Jetzt wohnen dort wieder 20 Menschen, darunter ein paar Deutsche. Es gibt einen Schmied, ein Kaufhaus, Kaffeehäuser und Restaurants sowie ein paar Zimmer zum Übernachten. Täglich kommen ein paar Dutzend Touristen vorbei.

Spaß für Autofahrer. Wer sich nicht für eine komfortable Busrundreise entscheidet, sondern für eine Leihwagen-Tour, darf sich freuen: Auto fahren macht richtig Spaß auf den Lofoten und Vesteralen. Der Verkehr ist minimal, die Straßen haben noch den verträumten Landstraßen-Charakter wie bei uns in den 1960er-Jahren. Sie winden sich mit vielen Kurven gemächlich über Hügel und Berge, entlang von Fjorden, mitten durch Dotterblumenfelder und schnuckelige Dörfer. Man kurvt mit Rundum-Panorama durch die wunderschöne Landschaft. Immer so dicht an ihr dran wie auf einem Erste-Reihe-Sitz an der Kinoleinwand.

Und oft ist es wie auf der Hochschaubahn. Ständig fährt man über irgendwelche Brücken, die das zerrissene Inselparadies zusammen nähen, kühne Konstruktionen, die in hohen Bögen (damit die Schiffe darunter durchfahren können) und Kurven wie Bob-Bahnen über tiefblaues Wasser führen. Und wo es keine Brücken gibt, fahren Fähren. Das Rauf und Runter geht ruck, zuck und völlig stressfrei. Das ist Alltag in Norwegen.

Königsweg. Und Verirren ist auch nicht möglich. Von den Vesteralen zu den Lofoten gibt es nur eine Haupt- straße, den „König Olaf Weg“ (Europastraße 10). Von Svolvaer auf der Insel Austvågøy führt der Königsweg über Brücken und durch Tunnel auf die Nachbarinseln Vestvagøya, Flakstadøya und Moskenesøya. An die 150 Kilometer sind es bis zum südlichsten Punkt, wo im kleinen Ort Å alle Straßen enden. Ein paar Kilometer davor kann man im Dorf Moskenes wieder die Fähre nach Bodø am Festland nehmen.

Schöne Dörfer. Besonders pittoresk sind die Orte Nussfjord, Mortsund und Reine. Das 100 Jahre alte Fischerdörfchen Nussfjord ist noch weitgehend original erhalten und UNESCO Welterbe. In den roten Fischerhütten, die überaus malerisch an einem Holzsteg im Hafen liegen, kann man auch wohnen (ab 450 Kronen für zwei Personen, rund 60 €, ww.nusfjord.no)
Die alte Tran-Siederei ist ebenfalls nocherhalten. Auch in Dorf Mortsund kann man in den komfortabler ausgestatteten Fischerhütten des Statles Rorbusenter ab 600 Kronen übernachten (www.statles.no/Tysk/fakta.html). Reine ist mit gut 300 Einwohnern für die Lofoten schon ein kleines Städtchen, aber ebenso idyllisch. Es liegt verteilt auf mehrere kleine Inseln ganz im Süden auf der Insel Moskenesøy. Und was macht man sonst noch auf den Lofoten, außer Landschaft genießen?

Museen besuchen! Fast jedes Dorf hat ein kleines, manche sogar mehrere. Die Themen reichen von der Fischerei über alte Geschäfte bis zu Walfang, Wikinger, Arbeitsgeräten, Leben am Polarkreis, arktischen Vögel und Skurrilitäten wie Knöpfe aus Knochen. Das bringt Abwechslung in die langen Tage der Mitternachtsonne.

Ach ja, und nicht aufs Tanken vergessen. Tankstellen sind, wie gesagt, ein seltenes Gut auf den Lofoten.


INFO
Beste Reisezeit. Juni, Juli, August. Da ist das Wetter am beständigsten. Dazu kommt die Faszination der Mitternachtssonne. Temperatur im Hochsommer: bis zu 30 Grad, sie kann aber tageweise auch gegen null sinken. Das Wetter schlägt schnell um.

Nebenkosten/ Währung. Die Lofoten sind – wie Norwegen generell – kein billiges Reiseziel. Für ein Essen mit Getränk in einem Mittelklasserestaurant muss man ab ca. 30 € kalkulieren. Ein Bier (O,4 Liter) kostet z. B. zwischen 8 und 12 €. Ein Euro entspricht derzeit ca. 9 Norwegischen Kronen (NOK).

Unterkünfte. Hotels sind rar, relativ teuer und im Sommer schnell ausgebucht, Mittelklasse ab ca. 80 €, 4* ab 100 € pro Person im Doppelzimmer.

Allgemeine Auskünfte. Norwegisches Fremdenverkehrsamt in Hamburg


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4 replies »

    • Bei Schönwetter kann man auf den Lofoten keine schlechten Bilder machen. Landschaft, Farben und vor allem das Licht sind eine Garantie dafür. Für mich sind die Lofoten die schönste Region in Norwegen. Lg Karl

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