Abenteuer

Mit dem Mofa von Riejka nach Dubrovnik – Teil 1

Slow Travel Croatia. Mit 30 km/h 600 Kilometer auf einer der schönsten Küstenstraßen der Welt, der Jadranska Magistrale. Unterm Popo surren 2,3 PS – so viel wie in einem schwachen Rasenmäher.

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Es gibt wohl kaum jemanden der sie nicht kennt – die Jadranska Magistrale. Auf Deutsch Adriatische Küstenstraße oder Adria Magistrale. Sie schlängelt sich in Tausenden Kurven und fast immer mit Blick auf Meer und Inseln entlang der gesamten Adria-Küste – von Rijeka bis Dubrovnik, danach weiter durch Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Mit dem Highway Nr. 1, der Panamericana und der Grande Corniche rangiert sie unter den Top Ten der schönsten Küstenstraßen der Welt.

Ich bin sie, wie viele andere auch, Dutzende Male gefahren. Auf dem Weg zum sommerlichen Badevergnügen im Cevapcici-Land. In den 1970er Jahren noch mit langen Haaren und VW-Bus, später im Audi und mit Boot im Schlepptau. Und jetzt mit dem Mofa, einer slowenischen Tomos Classic XL 45, einem Schwestermodell der Puch Maxi. In Retro-Himmelblau, mit Weißwandreifen und viel blitzendem Chrom. Slow Travel auf edel mit 30 Stundenkilometer im Schnitt. Es ist fantastisch: Der Zweitakter singt und wenn es bergab geht und ich mein Kinn aerodynamisch auf den Lenker presse zittert die Tachonadel bei 50 km/h. Das ist super geil.

Dennoch heißt es konzentriert bleiben. Bei meinem Schneckentempo wollen mich natürlich alle sofort überholen. Trotz Gegenverkehr! Meine Sicherheits-Taktik: Kampflinie fahren! Mitten auf der Fahrbahn und in den Kurven dicht am Mittelstreifen. Erst wenn genügend Sicht zum Überholen ist weiche ich galant an den rechten Rand. Das funktioniert bestens. Ich bin noch heil. So schlimm wie einst, ist der Verkehr heute – dank der Autobahn – allerdings nicht mehr. Ab Senj, wo die via Riejka kommenden Italiener, Westösterreicher und Deutsche auf die Autobahn auffahren, ist die Jadranska Magistrale heute vor allem Panorama-Strecke für Motorradfahrer. Ab Karlobag gehört die Küstenstraße fast mir allein. Nur alle 10 Minuten werde ich überholt.

Trotzdem ist die Jadranska Magistrale nicht nur Pracht, sondern auch Hölle; nicht nur fantastisch, sondern auch launisch. Obwohl viele Abschnitte mittlerweile entschärft und neu asphaltiert wurden, sind manche Kurven immer noch tückisch und der Belag oft glatt wie Eis. Und wenn die Bora pfeift, der gefürchtete Fallwind aus dem Velebit-Gebirge, werden Fahrzeuge zum Spielball. In Karlobag muss ich fast einen Tag pausieren. Die Bora ist für mein 55-Kilo-Gefährt zu heftig. Als sich der Wind etwas legt, wage ich den Abschnitt entlang des Bora-gefährdeten auslaufenden Velebit-Gebirges bis Starigrad. Es ist ein Kampf gegen den Wind! Zeitweise bin ich mir nicht sicher, ob ich am Ende Sieger bleibe. Manche Böen überraschen mich derartig, dass ich ins Schlingern komme. Bei Passagen gegen den Hang bläst mir die Bora mit aller Wucht frontal ins Gesicht, die Tomos stottert da und das Automatikgetriebe schaltet in den 1. Gang.

Ab Starigrad dann Sonnenschein! Die Bora gibt auf, die Tomos fährt heiße 40. Würde jetzt noch ein Fuchsschwanz am Lenker flattern, ich wäre back in the Sixties, als wir junge Helden mit einer Puch DS 50 ins Schwimmbad fuhren. Die war übrigens genauso himmelblau und hatte Weißwandreifen wie jetzt meine Tomos Classic. Junges Herz, was willst du mehr?

Eile habe ich keine. 100 Kilometer pro Tag ist meine ungefähre Vorgabe. Das sind drei Stunden im Sattel, der Rest zum Baden, fein Essen und ein bisserl besichtigen. Bis Zadar gibt es ja nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten.

Rijeka kenne ich und lasse es diesmal gleich links liegen. Die Stadt ist jung, laut und war einst k. u. k. Hafen. Das Schönste an ihr war für mich immer, dass man hier, von den Alpen kommend, das erste Mal das Meer erblickt und die vorgelagerten Inseln Cres, Krk und Lošinj in der Kvarner Bucht.

Crikvenica hat einen passablen Kiesstrand und eine schöne Promenade mit ein paar netten Restaurants. Tipp: Auf Nummer 41, im Restaurant Kavana Pico, grillen sie Fisch besonders gut und zu sehr moderaten Preisen.

Senj war Drehort der TV-Serie „Die rote Zora und ihre Bande“ aus den 1970er-Jahren und schlachtet das touristisch heute noch aus. Sonst thront über der Stadt die Festung Nehaj aus dem 16. Jhd. und im kleinen Hafen lässt es sich vortrefflich vor ganz passabler Kulisse eine Espresso-Pause einlegen.

In Karlobag hält wohl niemand, außer er ist mit dem Mofa unterwegs und die Bora bläst. Ich blieb fast einen Tag und durfte mein Mofa Bora-sicher in der Lobby des sehr charmanten kleinen Hotels Velinac parken.

Zadar kann schon wesentlich mehr. Es hat den größten historischen Stadtkern an der Adria, die buntesten Märkte Dalmatiens, eine Meeresorgel und 12 km südlich im Ort Sukošan den größten Yachthafen an der Adria. In der Marina Dalmacija liegen sündteure Yachten und parkt im Moment mein geiles Mofa. Die Orgel am Ende der Hafenpromenade ist sensationell und weltweit einzigartig. Gespielt wird sie vom Meer und der Luft. Die an die Steintreppe anschlagenden Wellen strömen in 35 unterirdische, verschieden lange Röhren und komprimieren die darin befindliche Luft, die dann durch Orgelpfeifen entweicht. Das Ergebnis: Sphärische Klänge im Rhythmus der Wellen. Architekt Nikola Bašić hat die Orgel 2005 geschaffen. Ich quartiere mich in einem Apartment in Sukošan ein. Zwei junge Franzosen übernachten auch hier. Sie sind mit einer Honda Goldwing unterwegs und sichtlich stolz auf ihr Motorrad, das die Ausmaße eines Kleinwagens hat. Mein Mofa würdigen sie keines Blicks. Klar, die könnten es locker auf ihren Gepäckträger packen.

Ab Zadar ist es vorbei mit dem grauen Karst. Jetzt ist die Landschaft grün. Pinien, Kiefern, Agaven und Oleander säumen die Straße. Es duftet nach Sommer und Süden. Und statt der Bora säuselt ein feines Windchen vom Meer herauf. Kurz vor Primošten beende ich meine Tagesetappe bei Freunden aus Kärnten, die hier mit Motorboot urlauben. Ein herrlicher Abend. Mit Tintenfischrisotto und Malvasia-Wein, mit erzählen, lachen und in den Sonnenuntergang schauen.

Wie es weiter geht und wie Slow Travel die Sicht auf die Welt verändert lesen Sie hier im 2. Teil und wie schön die Makarska Riviera ist im 3. Teil meiner Mofa-Slow-Travel-Story.


 

ZUM WEITERLESEN

Mofa-Tour Teil 2

Mofa-Tour Teil 3

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3 replies »

  1. Das letzte Jahr haben wir unseren Urlaub in Crikvenica verbracht, wir wollten nur sagen das Crikvenica viele gute Restaurants hat, nicht nur das berumte Restaurant Pico. Die Ferienwohnung haben wir per Ferienwohnung Crikvenica http://www.ferienwohnung–crikvenica.com gefunden, außer dem großen Angebot von Ferienhäusern haben wir eine große Nummer von nutzlichen Informationen gefunden. Crikvenica ist wirklich eine Top-Destination in der Kvarnerbucht in Kroatien. Ein großes Reichtum und Vorteil dieser Stadt ist der Sandstrand der ideal für kleine Kinder und Familien mit kleinen Kindern ist. Außer verschiedenen Inhalten,gibt es auch einen Strand für Haustiere,FKK Strand und einen Strand für Behinderte. Die Stadt Crikvenica ist für mich viel schöner als alle Destinationen die die Inseln Rab und Pag anbieten. . Wir empfehlen diese Destination für einen Familienurlaub, schätzen sie für sich selbst ob es die Wahrheit ist, weil Meinungen sind anders von Mensch zu Mensch.

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