Baden

Null Zentimeter bis zum Strand

Griechenland. Der Badeort Tolo am Ost-Peloponnes ist einzigartig. Hotels und Tavernen stehen direkt an der Uferstraße – und die ist gleichzeitig der Strand. Alle gehen barfuß oder in Flipflops, ob zum Baden oder Abendessen.

Da fällt Aufstehen leicht: Blick vom Hotel Aris auf die Bucht vonTolo

Da fällt Aufstehen leicht: Blick vom Hotel Aris auf die Bucht von Tolo

Null Zentimeter bis zum Strand – oder zwei Stufen von den Hotels und Tavernen. Und zehn Meter bis zum Meer. Wo gibt es so etwas sonst noch?

Wir sitzen in Kostas Bar, eine Runde Weitgereister, und sind baff. Keiner von uns hat so etwas jemals gesehen. Kostas, der charmante Mit-Fünziger und geschmeidige Sirtaki-Tänzer, weiß es: „Ja, Tolo ist einzigartig.“

Nur ein Schritt vom Hotel zum Strand

Nur ein Schritt vom Hotel zum Strand

Tavernen-Tische im Sand. „Hotel direkt am Strand“ – diesen Slogan kennt man aus Urlaubskatalogen. Aber letztlich liegt im besten Fall immer noch eine Uferstraße dazwischen. In Tolo aber ist die Uferstraße gleichzeitig der Strand. Zehn bis fünfzehn Meter breit und sanft zum Meer abfallend. Aktis heißt sie, hat Hausnummern und Straßenlaternen. Im Sommer stehen hier Sonnenschirme und Liegen. Und die Tavernen stellen ihre Tische, wie überall am Mittelmeer auf die Straße – hier also in den Sand.

Im Winter, wenn Touristen und Liegen weg sind, fahren die Einheimischen wieder mit den Autos vor ihre Häuser und Hotels. Jetzt im Sommer schnurrt nur ab und zu ein Fischer mit dem Motorrad zu seinem Boot, ganz langsam und mit leise summendem Motor, um die Badenden nicht zu stören.

Der Zugang zur Häuserzeile „Erste Reihe fußfrei“ ist von der Rückseite nur schwer möglich. War, bevor es hier Tourismus gab, auch nicht nötig. Die Fischer lebten vom Meer und direkt am Meer.

Tun sie auch heute noch. Ihre Boote schunkeln in der windgeschützten hufeisenförmigen Bucht von Tolo, in der das Wasser so glatt und klar ist wie ein Gebirgssee. In den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung fahren die wenigen, die noch vom Fischfang leben, hinaus, um ein paar der noch im Mittelmeer schwimmenden Fische ins Netz zu bekommen und verkaufen sie an die Tavernen.

Romantischer geht's nicht: Nachts ist die Insel in der Bucht beleuchtet

Romantischer geht’s nicht: Nachts ist die Insel in der Bucht beleuchtet

1,8 Kilometer Strand. Die Sandstraße Aktis zieht sich 1,8 Kilometer die Bucht von Tolo entlang. Abends bummeln alle barfuß oder in Flipflops die Naturpromenade entlang. Goustieren, in welcher der Tavernen oder Bars sie einkehren sollen. Gut zwei Dutzend Tavernen und ein paar gemütliche Lounge-Bars stehen zur Wahl. Auf den Tischen im Sand flackern Kerzen. Und die kleine Insel in der Bucht mit der Kapelle und einem Kreuz am Gipfel ist mit Spots beleuchtet. Einer strahlt blitzblau. Sein Licht spiegelt sich wie ein Band bis zum Strand. Abends ist es unglaublich romantisch in Tolo, aber nicht kitschig. Und der Wein schmeckt – mit den Füßen im Sand – besonders gut.

Abendessen bei Kerzenlicht und mit den Füßen im Sand

Abendessen bei Kerzenlicht und mit den Füßen im Sand

Es ist schon verrückt: Einige Malediven-Inseln haben den „Barefoot-Tourismus“ zur Trendmark gepuscht und Schickis fahren darauf ab. Hier in Tolon wurde der Barfuß-Tourismus quasi erfunden. Oder richtiger: Hier gingen die Urlauber immer schon barfuß, so wie die Einheimischen, weil es in der Natur der Sache liegt, auf einer Promenade aus Sand barfuß zu gehen. Die Aktis ist nie zum Catwalk der Eitelkeiten geworden, sondern ist seit jeher eine urig-romantische Flaniermeile für herrlich-normale Urlauber.

Am schönsten ist die Atmosphäre in Tolo an Wochenenden, wenn die Einheimischen mit ihren Familien den Tag an der Beach verbringen, die Kinder Sandburgen bauen, die Mamas den Mittags-Snack aus den Kühltaschen holen und die Papas mit den Kids Boot fahren.

Kleine Schiffernakel mit 40-PS-Dieselmotoren verleiht ein beleibter Grieche, der die gesamte Sommersaison auf seinem Strandhocker unterm ausgebleichten Sonnenschirm sitzt. 15 € verlangt er pro Stunde, 35 für drei Stunden. Zu diesem Angebot sollte man greifen, denn eine Ausfahrt zu den vorgelagerten Inseln und in den spiegelglatten Fjord, in dem das Fischerdorf Drepano liegt, zahlt sich aus.

Vor dem Strand schaukeln Fischerboote

Vor dem Strand schaukeln Fischerboote

Acapulco-Springer. Oder man bucht eine Rundfahrt auf Dimitras Schiff – inklusive Grillen in einer der schönen Buchten. Und wenn man Glück hat, sind dann auch noch die jungen Burschen aus Tolo dort, die zum Gaudi der Touristen Acapulco-macho-mäßig von dem zwölf Meter hohen Felsen beim Grillplatz ins türkisblaue Wasser springen.

Sirtaki & Ouzo. Nicht versäumen darf man den Sirtaki-Abend im Hotel Aris. Das für mich gemütlichste Hotel in Tolo bietet viel griechische Atmosphäre und eine gemütliche Bar, die von Hotel-Mitbesitzer Kostas beseelt ist. Wenn am Freitag Abend die drei Mann Band schwermütige griechische Lieder spielt, drückt es auch die Griechen in der Seele. Sitzen bleibt da keiner mehr. Alle tanzen den weichen Sirtaki, bei dem die Hitze der Leidenschaft nur sanft aufflammt.

Tanzender Fischer mit Bier-trinkendem Hund. An manchen Freitag Abenden greifen auch griechische Urlaubsgäste zum Mikrofon und Bar-Chef Kostas, der begnadete Sirtaki-Tänzer,wiegt sich im Takt der Bouzouki. Auch der 1,65 Meter große Fischer Dimitra, der kaum 50 Kilo auf die Waage bringt, weil er statt zu essen lieber Bier trinkt, kommt dann noch auf einen Tanz vorbei, bevor er zum Fischen hinaus in die Nacht fährt.

Der dünne Dimitra ist das Original von Tolo. Vor allem aber sein Hund, ein zottiger, 50 Zentimeter hoher Rassenverschnitt. Meist sitzt er auf einem Plastiksessel am Kai, aufrecht auf Po und Hinterbeinen und schaut wie ein altgriechischer Philosoph aufs Meer. Auch er trinkt, wie sein Herrl, gerne Bier – und gibt ihm, wenn er einen Schluck bekommt, die Pfote im „Give-me-five-Stil“. Heute Abend hat ihm Dimitra wohl zu viel Bier abgegeben, der Hund schwankt schon am Sessel – und plötzlich – patsch – liegt er am Kai-Beton.

Auch unsere Runde ist von Sirtaki, Bier und Ouzo schon etwas ramponiert. Aber auch das gehört, erklärt Kostas, zu einem Urlaub in Tolo.

 

Bildgalerie Tolo

 

Hotel-Tipps

Aris. Für mich das gemütlichste Hotel am Strand. Es unterhält seit Jahren gute Kontakte zu Österreich und bietet als einziges Hotel in Tolo All-Inclusive – für einen Aufpreis von nur 5 €!  www.hotel-aris.gr

Knossos. Für mich das schönste im mittleren Preis-Segment. Liegt ebenfalls in der ersten Reihe und gehört zur Gruppe der Minoan-Hotels. www.minoanhotels.gr

Minoa. Gehobeneres Hotel. Gehört ebenfalls zur Minoan-Gruppe der Familie Georgidakis, die ein halbes Dutzend Hotels in Tolo betreibt, darunter auch das mehrfach preisgekrönte King Minos Hotel. www.minoanhotels.gr

 

Angeobt  Preisgünstige All-Inclusive-Aufenthalte im Hotel Aris bietet derzeit das Wiener Reisebüro GN-Touristik

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