Europa

Bußgang mit barockem Pomp

Osterprozession in Granada. Die Umzüge der Bruderschaften starten am Palmsonntag. Ein grandioses Spektakel vor der Kulisse der prächtigen Alhambra.

Vor der Kirche von Santa Ana & San Gil im engen Tal des Rio Darro warten Tausende Gläubige und Schaulustige. Rechts auf dem Hügel thront die gewaltige „rote“ Burg der Alhambra, links zieht sich das Gassengewirr des Maurenviertels Albayzin mit seinen strahlend weißen Häusern den Berghang hinauf. Das lokale Fernsehen hat einen Kamerakran aufgebaut. Es ist Palmsonntag und die erste Osterprozession in Granada.

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Entlang der nur vier Meter breiten Straße zur Kathedrale von Granada drängeln sich die Menschen um die besten Plätze in der vordersten Reihe. Die Sonne steht schon tief und taucht die Szenerie in ein dramatisches Licht. Dann endlich. Die Torflügel der Kirche schwenken auf und wie eine riesige golden glänzende Raupe zwängt sich im Zeitlupentempo der Heiligenschrein der Bruderschaft von San Isidor heraus, 10 Meter lang, dreieinhalb Meter breit, mindestens eine Tonne schwer. Davor und dahinter gehen die Büßer mit purpurfarbenen Spitzhüten, Frauen in schwarzer Spitze, Herolde und Fahnenträger.

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Auf dem versilberten und vergoldeten Thron ist der Leidensweg Christi mit menschengroßen Figuren dargestellt. Jesus unter der Last des Kreuzes, zwei römische Soldaten in glänzenden Rüstungen und ferderngeschmückten Helmen – inmitten einer barocken Kulisse aus Blumengestecken, silbernen Laternen und flackernden Kerzen. Die Menschen recken die Hälse, bekreuzigen sich und mit einem dröhnenden Paukenschlag setzt die Musik ein. Trompeten, Posaunen, Basshörner, Trommeln. Die 150 Mann starke Kapelle der Bruderschaft von San Isidor intoniert das Leiden Christi als schrilles, ohrenmalträtierendes Konzert. Die Schmerzen Jesu verspürt man wie am eigenen Leib. Es ist wie Zahnweh und Wundschmerz zugleich. Wie auf dem Munk-Bild „Der Schrei“ möchte man sich die Ohren zu halten.

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Unterdessen biegt der Heiligenschrein vom Vorhof der Kirche schwankend in die enge Uferstraße Paseo de los Tristes ein. Minuten dauert die 90-Grad-Wende. Die Menschen drängen zum Schrein, berühren, küssen ihn, bekreuzigen sich. Wie ein schillerndes Rieseninsekt schiebt er sich nun durch die dichtstehende Menschenmenge. Unter dem Schrein, verdeckt durch schwere Brokatstoffe, fließt der Schweiß von dutzenden Trägern. Auf jeder Mannesschulter lasten 30 bis 40 Kilo. Für die größten und schwersten Heiligenschreine müssen 50 und mehr Muskelprotze unter den Stoff.

Erfahrene Männer dirigieren die Träger durch den Menschenstrom. Derecha, sinistra – rechts, links, stopp. Immer wieder müssen die Träger absetzen. Wenn sie den Heiligenschrein dann erneut auf ihre Schultern wuchten und die Figuren und Kerzen ob der Erschütterung dabei bedenklich wackeln, applaudiert die Menschenmenge. Hinter dem Schrein wuseln Buben mit Wasserflaschen umher. Auf die Kommandos eines Erwachsenen kriechen sie immer wieder unter den Brokatstoff und versorgen die Träger mit Wasser.

Allmählich kommt die Kathedrale in Sicht. Noch 400 oder 500 Meter. Die Sonne wird schon untergegangen sein, wenn die Prozession die mächtige Renaissance-Kirche Santa Maria de la Encarnación erreicht.


 

Hinweis: Diese Reise wurde von Raiffeisen Reisen unterstützt. Raiffeisen Reisen bietet 2016 vier spezielle Andalusien-Rundfahrten. 6 Tage mit Flug und Halbpension in 4*-Hotels und vielem mehr ab 799 €.


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