Abenteuer

Mazedonien: Geheimtipp Ohridsee

Der Ohridsee an der Grenze zu Albanien gilt als Geheimtipp. War er früher nicht. Ist er heute wieder. Zu ex-jugoslawischen Zeiten war das Meer der Mazedonier nämlich beliebtes Urlaubsziel. Nicht nur für die Bewohner der Balkanländer, auch für Deutsche, Franzosen Holländer und Österreicher. Jetzt versucht man an die guten touristischen Zeiten wieder anzuknüpfen.

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Kirche St. Johannes Kaneo

Still liegt er da, blaugrün und umgeben von 2000 Meter hohen dicht bewaldeten Bergen, fast 20 mal so groß wie der Wörthersee. Ein Drittel gehört zu Albanien.

Ältester See Europas. Es ist der älteste Binnensee Europas und der Stolz der Mazedonier. Auf drei bis fünf Millionen Jahre schätzen Forscher sein Alter. Für sie ist er deshalb Gold wert. Denn im nährstoffarmen Wasser haben sich über Hunderttausende von Jahren Fischarten entwickelt, die nur hier vorkommen. Am berühmtesten ist die zart getupfte Ohridforelle, die wegen Überfischung gefährdet ist, aber mittlerweile gezüchtet wird und gerne auf den Speisekarten der Restaurants steht. Sie schmeckt so fein wie ein Saibling.

Landschaftlich ist der Ohridsee durchaus eine Pracht und einen Besuch wert. Nicht unbedingt für einen Badeurlaub, da haben wir in Österreich einige schönere Seen und auch das nahe Meer in Kroatien, Montenegro und Albanien empfiehlt sich dafür entschiedener. Aber frühchristliche und osmanische Geschichte, Kultur und Balkan-Atmosphäre sowie die grenzenlose Gastfreundschaft der Mazedonier begeistern Ausländer.

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Am Westufer gibt es ein paar nette Strände

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Osmanische Häuser in der Weltkulturerbe-Stadt Ohrid

UNESCO Weltkulturerbe. Der schönste Ort, die 40.000 Einwohner-Stadt Ohrid, liegt am Nordostufer. Hier sollte man sein Urlaubsquartier nehmen. Am besten in der mittelalterlichen Altstadt, direkt am Seeufer. Wegen ihrer schönen osmanischen Häuser, frühchristlichen Kirchen und Klöster kürte die UNESCO Ohrid zum Weltkulturerbe. Außerhalb der Altstadt stehen entlang einer schmucken Promenade mit hübschen Blumenbeeten Hotels aller Kategorien. Ein bisschen erinnert das Ambiente an die 1960er Jahre an der italienischen Adria.

Das fotogenste Bauwerk Ohrids ist die orthodoxe kleine Kirche St. Johannes Kaneo (siehe oben, erstes Bild). Sie thront auf einem Felshügel am Rande der Altstadt direkt über dem See. Der 20-Minuten-Spaziergang dorthin ist ein Genuss. Der Weg führt vorbei an der mächtigen orthodoxen Sophienkirche Sveti Sofija aus dem 11. Jahrhundert, dann auf einem Holzsteg übers Wasser entlang senkrecht abfallender Felsen und entlang kleiner Badebuchten mit sehr schmalen Kiesstränden hinter denen sich Restaurants, Cafés und Bars an die Felswände schmiegen. Die Kulisse ist einzigartig und Badetreff der Hautvolee am Balkan. Retour nimmt man am besten eines der Boote, die unterhalb der Kirche ihre Taxidienste anbieten und genießt den Blick auf Strandleben und Altstadt. Fünf Euro kostet die 15-Minuten-Fahrt zurück zur Hafenpromenade.

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Beach in Ohrid . . .

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. . . schmal aber mit Atmosphäre

Günstig. Mazedonien ist ein sehr günstiges Urlaubsland. Ein Doppelzimmer gibt es am Ohridsee in der Nachsaison schon ab 10 Euro, ein Apartment mit zwei Schlafzimmern direkt am See in Ohrids Altstadt ab 30 €. Auch das Essen ist günstig, zumal die Gastfreundschaft der Mazedonier fast geschäftsschädigend ist. Für 10 bis 20 € tischen die Wirte in den Tavernen Schlachtplatten auf, die eine Kleinfamilie satt machen könnten. Wer nicht alles essen kann, lässt sich den Rest einpacken. Alubehälter hat jeder Wirt und bringt sie meist unaufgefordert zum Tisch.

Struga, die zweite bedeutende Urlauberhochburg, liegt 15 Kilometer von Ohrid am Nordufer. So schmuck wie Ohrid, ist die 16.000-Einwohner-Stadt allerdings nicht. Dafür ist sie mit großzügigeren Stränden gesegnet. Ausländer trifft man hier seltener.

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Ein Strand in Struga

Gut essen. Wer Zeit hat, sollte auch das 10 Kilometer von Struga entfernte Dorf Vevchani besuchen. Dort stehen noch zweistöckige Steinhäuser aus dem 6. und 8. Jahrhundert. Die meisten sind leider in einem hoffnungslosen Verfallstadium. Mazedonier besuchen auch gerne die Wasserfälle und Quellen von Vevchani, die am Rande des Dorfes in einem von Wasserdunst triffendem Wald druckvoll aus dem Berg strömen. Um mehr Touristen anzulocken, hat Vevchani 2002 seine eigene Republik ausgerufen. Wer Spaß daran findet, kann Bürger von Vevchani werden, einen Pass erwerben und in der lokalen Währung Lichnic zahlen. Mein Tipp ist hingegen das Restaurant Kutmicevica. Es ist urig, bietet einen schönen Blick auf den Ohridsee und serviert traditionelle mazedonische Gerichte in Omama-Qualität.

Bären im Nationalpark. Und wer mit dem Auto unterwegs ist, der sollte sich auch noch die Serpentinen hinauf ins 2225 Meter hohe Galičica-Gebirge schrauben. Der Nationalpark ist Wanderparadies und die Heimat von Bären, Luxen und Wölfen. Keine Sorge, die gehen Menschen aus dem Weg. Mit dem Auto kommt man auf ca. 1900 Meter Seehöhe und hat von oben nicht nur einen herrlichen Blick auf den Ohridsee und die Dörfer auf der albanischen Seite, sondern auch auf den Prespasee, der auf der anderen Seite des Berges liegt und rund ein Drittel kleiner als der Ohridsee ist.


Skopje. Das zweite große Highlight Mazedoniens. Bizarr und einzigartig. Siehe Story

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