Österreich

Wandern ohne Katzenjammer

Hollabrunn / Weinviertel. Der neue Themenweg „Auf den Spuren der Kellerkatze“ entführt in die geheimnisvolle Welt der Weinviertler Kellergassen – unfaudringlich, kreativ, gelungen.

New York, Südafrika, Karibik – ach was soll’s – ich war in Hollabrunn – am Kellerkatzenweg. Vorweg für Globetrotter, die nicht wissen wo Hollabrunn ist. Es liegt geschätzte 7 Kilometer von Oberstinkenbrunn entfernt. Oder großräumiger erklärt: Man fährt von Wien auf der Stockerauer-Autobahn Richtung Nordwest, lässt Tuttendörfel links liegen, und landet nach 56,6 Kilometern am Hauptplatz von Hollabrunn.

Der Themenweg „Auf den Spuren der Kellerkatze“ startet beim Sporthotel. Dort, wo Stronach seine Fussballakademie hatte und Alaba trotzdem das Kicken lernte. Der Kellerkatzenweg – im Weiteren KKW genannt – ist das aktuellste touristische Highlight der Bezirkshauptstadt im westlichen Weinviertel.

Ich nützte den sonnigen letzten Oktobertag zur Erkundung des KKW: 24 Stationen „Auf den Spuren der Kellerkatze“, der Kellergassen-Kultur, des Veltliners und Gemischten Satzes. 4,15 Kilometer ist der Wanderweg lang. An 24 Stationen erlebt man die Welt und Geschichte der Weinkeller, das Leben und die Arbeit in den Kellern, die es seit ca. 1750 im Weinviertel gibt.

Jetzt aber los!

An der Rezeption im Sporthotel hole ich mir gegen eine Kaution von 5 € die KKW-Chipkarte, die den Eintritt in drei Erlebniskeller ermöglicht (Stationen 4, 8, 22), und beim Automaten an der Station 19 sogar noch eine Gratiskostprobe Trockenfrüchte auswirft.

Der Weg ist bestens beschildert. Tafeln mit der schwarzen, buckeligen Kellerkatze weisen den Weg. Zuerst geht’s durch die Sitzendorfer Kellergasse stetig bergauf. Da stehen wohl um die 100 Keller. Leider sind einige mit zweifelhaftem Geschmack restauriert. Aber in den vergangenen Jahrzehnten kümmerte kaum jemanden das Kulturerbe Kellergasse. Schade.

Bei Station 2 stellt sich die Kellerkatze vor. Sie legte sich mit Vorliebe auf das wärmste Fass, in dem der Wein am hitzigsten gärte. Der Wein in diesem Fass war angeblich besonders gut und der Weinbauer wusste: Wo die Katze liegt, ist der beste drin.

Zirka einen Kilometer ist die Sitzendorfer Kellergasse lang und ich erfahre bei den ersten Stationen, wie der Wein anno dazumal gelesen und gekeltert wurde, wann und warum die Keller gebaut wurden und wie sich die Nutzung heute geändert hat. Ich lerne alte Werkzeuge aus dem Weinbau kennen, erfahre was ein Gaitloch ist (* Auflösung am Ende des Artikels), darf im Keller bei Station 8 die Qualität meines Geruchsinns testen und die Düfte und Aromen des Weines erraten. Mit einem Hebel kann ich Duft aus dem Fass sprühen, dran schnüffeln und ihn zuordnen: Apfel? Mango? Johannisbeere? Zitrone? – ein netter Quiz.

Am Ende der Kellergasse führt der Weg über Felder und durch Weingärten mit schönem Blick auf Hollabrunn und die sanft-hügelige Landschaft im Bogen zurück. Reblaus, Hiata (Weingartenhüter) und Hiatahütten, Pflanzen und Obstbäume in den Weingärten sind jetzt die Themen. Und am Ende des Weges noch Adel, Zehent, Kellergeselligkeit und Poesie. Pfarrer Georg Pfeiffer, von 1920 bis 1946 Dechant in Hollabrunn), etwa saß jeden Abend bei Kerzenlicht im Pfarr-Keller, trank sich in Dichterstimmung und reimte Ernstes und Lustiges über Leut‘, Wein‘, Kellerfreuden und -arbeit. Seine Gedichte sind im Band „Dechant Pfeifer: Gesammelte Gedichte“ erschienen, Verlag Edition Weinviertel

Ich bekomme Lust auf ein Achterl und resümiere:

New York, Südafrika und Karibik sind sehr okay und wunderscheen, aber es ist’s auch wert mit der Kellerkatze zu geh’n.

Gratulation an die Gestalter dieses Themenweges, den man noch dazu gratis erleben darf. Einziger Wermutstropfen: Es gibt keinen Heurigen am Weg😦

Details  www.kellerkatzenweg.at

* Jetzt noch die Auflösung: Gaitloch oder Gaittürl ist eine kleine Öffnung in der Wand des Presshauses, durch die die gelesenen Trauben über eine Rutsche/Rinne (Gait) in das Presshaus befördert wurden.

Bildgalerie zum Kellerkatzenweg

Sie kennen den neuen Themenweg schon? Dann schreiben Sie mir doch einen Kommentar: Was Ihnen besonders gefallen oder nicht gefallen hat. Was Sie noch ergänzen können. Es würde mich freuen.

Und falls Sie einmal in einem Weinkeller wohnen möchten – schauen Sie da mal rein. www.jellerkeller.at

Kategorie Slow Travel & Backyard Travel

4 replies »

  1. Sie schreiben in Ihrem sehr gelungenen Artikel, dass ein Heuriger fehlt. Das ist richtig. Der Themenweg ist aber erst am Beginn und wird sich sicher weiter entwickeln. Statt dem Heurigenbesuch gibt es aber als vorläufigen Ersatz eine tolle Kellerjause, die man zu Beginn der Wanderung bei Einlösung der Chipkarte bestellen kann. Den Jausenkorb, ausgestattet mit einer typischen Kellerjause und Getränken, nimmt man im Keller der letzten Station aus dem bekannt-gegebenen Fach heraus und man kann diese Jause in diesem Keller oder in der Laube davor gleich konsumieren. Ausserdem gibt es in 200 Meter vom Ausgangspunkt entfernt, einen Heurigen. Ich nehme an, dass sich das dargestellte Bild damit etwas abrundet. LG Günter Stockinger, der Vater der Kellerkatze!

    • Lieber Herr Stockinger, herzlichen Dank für Ihre Ergänzungen. Für alle Wein- und Heurigenliebhaber sind dies wertvolle Hinweise. Auch für mich! Und ein guter Grund, den Themenweg im Frühjahr noch einmal mit bestelltem Jausenkorb und Heurigenbesuch abzuwandern. Ich wünsche Ihnen als Erschaffer der Kellerkatze und ihren Themenweg-Kollegen viele weitere Besucher. Damit haben sie eine interessante Attraktion im sanften Tourismusland Weinviertel geschaffen und der Kultur der Kellergassen ein schönes Denkmal gesetzt. Liebe Grüße Jeller

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