Inselhüpfen

Inselhüpfen unter weißen Segeln

Was in der Türkei seit Jahren ein Renner ist, bieten jetzt auch die Griechen

von Karl-Heinz Jeller

kaiki2.jpgFrühstück an Deck – am Hauptplatz von Pothia. Frisches Weißbrot, blütenduftender Honig, Müsli, heißer Kaffee. Der Kapitän, barfuß und in kurzer Hose, wünscht Guten Morgen: „Kalimera. I love you.“ Letzteres sagt er immer, wenn am Boot der Schmäh rennt. Und der rennt wie geölt unter griechischer Sonne.
Pothia ist die Hauptstadt der Insel Kalymnos. Wie in fast allen griechischen Insel-Häfen begrenzt die Kaimauer den Hauptplatz zum Meer. Perfekter kann man seinen Frühstücksplatz nicht wählen. Vom „Balkon“ unseres Bootes lässt sich alles überblicken. Auf der Bühne spielt griechischer Alltag: Pensionisten-Plauscherl vor dem Café vis á vis. Burschen auf knarrenden Mopeds wollen den Mädchen mit Wheelys imponieren (früh übt sich, wer ein Macho werden will). Die Hafenkapelle marschiert – Dschindarassa – nicht immer im Gleichschritt über die Promenade. Guten Morgen, Kalymnos!

Kaiki statt Gulet Unser Boot ist ein Kaiki, ein Fischerboot der guten alten romantischen Bauart. Aus dunklem Holz und etwas dickbäuchig. In der Türkei heißen sie Gulet und tuckern seit 20 Jahren unter dem Namen „Blaue Reise“ mit Touristen die Küste entlang.
In Griechenland ist unser Kaiki – die Mikros Kosmos II – das erste, das nach türkischem Muster auf die „Blaue Reise“ ging.
Mit fast sträflicher Verspätung springen die Griechen auf den Verkaufsschlager „Blaue Reise“ auf. Dabei passt die Idee in keine Region dieser Welt besser als in die griechische Inselwelt. Nicht nur, weil Blau schlechthin für Griechenland steht – vom Blau der Nationalflagge bis zum Blau der Kirchenkuppeln und Tavernenstühle – sondern vor allem auch, weil die griechische Inselwelt wie erschaffen ist für eine Bummel-Kreuzfahrt dieser Art.
Gebummelt wird zwischen den Inseln der Dodekanes-Gruppe. Zwölf Hauptinseln sind es an der Zahl, plus zwei Dutzend kleinerer, teils unbewohnter. Und jede ist – so wie auch auf den Kykladen oder Sporaden – eine Welt für sich, ein eigener Mikros Kosmos.

kaiki3.jpgAuf Kalymnos etwa sieht es ein bisschen aus wie bei uns in den Alpen. Zwei mächtige felszerklüftete Berge bestimmen den Charakter der Insel. Über dem Hafen thront mächtig das Nonnenkloster Agios Savvas. Seine Kuppeln sind ausnahmsweise nicht blau, sondern erdrot.
Pserimos dagegen kennt nur Hügel. Zwei Dutzend Häuser gibt es hier, ein paar Tavernen und ein Hafen – so familiär wie ein Innenhof. Wer hier urlaubt, ist nicht Besucher, sondern Bewohner und kennt bald die Familiengeschichte jedes Hauses.
Oder Lipsi: 700 Einwohner, ein paar hundert Touristen jährlich, 20 kleine Buchten mit Sand- und Kiesstränden. Um sie zu erreichen, muss man oft über Weidezäune klettern.

Grenzenlose Ruhe Das Boot tuckert gemächlich von Insel zu Insel. Zwischendurch ein Stopp in irgendeiner namenlosen Bucht. Kein Dorf mehr weit und breit, nur grenzenlose Sicht aufs Meer und grenzenlose Ruhe. Schwimmen, Schnorcheln, Sonnen, ein Ouzo, ein Bier.
Rasch wird klar, per Boot erschließt sich ein anderes Griechenland – eines ohne Sonnenschirm-Strände, Souvenierstandln und Touristen-Tavernen. Wer auf Lipsi, Pserimos oder Kalymnos in einer Taverne seinen Ouzo bestellt, bekommt zuerst ein Mal etwas zu essen – Schafkäse, Oliven, Fladenbrot, in Honig getränkte Rosinen. Und das gratis – nach guter alter griechischer Tradition und Gastfreundschaft. Drei Tavernen, drei Ouzo, ein satter Bauch – und die Welt ist heil.

Kategorie Slow Travel

2 replies »

  1. Lebe seit 1953 in Deutschland bin 1.1.35 geboren, gesund und ich kann mich einschränken. Ich bin in der Ostsee 2x mitgesegelt.
    Ich interessiere mich für den Sommer 2009 und möchte alles relevante wissen.Preise, Zeitpläne, Route usw.
    Meine Koordinaten : Vardakis
    Wittinger Straße 62
    29223 Celle
    Tel:0049-5141-930580 (+AB)

  2. Ich hätte Interesse für Das Inselhüpfen in Griechenland mit dem Fischerboot Cosmos
    Würde das mit meiner Frau gerne einmal 7- 10 Tage machen

    Ich bitte um Termine für diesen Spätherbst oder im Frühsommer nächsten jahres

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