Baden

Sporadisch durch die Ägäis

Skiathos/Skopelos/Alonnisos. Die alten Griechen nannten alle ägäischen Inseln außerhalb des Kykladen-Archipells Sporaden – die Verstreuten. Davon stammt auch unser Wort sporadisch. Zu den nördlichen Sporaden-Inseln zählen mehr als 130, ein halbes Dutzend davon sind bewohnt. Drei, die auch fantastische Urlaubsziele sind, habe ich genauer unter die Lupe genommen: Skiathos, Skopelos und Alonnisos.

Alonnisos (2)

Agios Dimitrios: einer der schönsten Strände auf meiner Lieblingsinsel Alonnisos

Intensiv nach Harz duftende Pinienwälder, 800 Meter hohe Berge, sympathische Hafenstädtchen und jede Menge Badebuchten mit kristallklarem Wasser: Die drei bei uns wenig bekannten Inseln haben viel gemeinsam, die Atmosphäre ist aber auf jeder völlig anders.

Die Party-Insel. Skiathos, die mit 50 km² kleinste, hat im Sommer der Massentourismus fest im Griff. Als einzige hat sie einen Flughafen, die Chartermaschinen – vor allem aus England und Osteuropa – landen in der Hochsaison im 30-Minuten-Takt. Die schönen Sand- und Kiesstrände entlang der Südküste sind fast durchgehend mit Hotels und Apartmentanlagen verbaut. Es gibt Discos, Restaurants und Tavernen in Hülle und Fülle. An den Beaches stehen die Liegen in Fünferreihen und täglich starten Dutzende Ausflugsboote zu den schwerer zugänglichen Stränden. Untertags vergnügt man sich mit Jet Skis, Windsurfen, Tauchen und chillen, abends herrscht Partystimmung. Wer das urige, authentische Griechenland sucht ist hier falsch. Aber zweifellos hat Skiathos die meisten und besten Strände. Angeblich 66. Der Renommierstrand liegt in der Bucht von Koukounaries, 600 Meter lang mit feinstem gelbbraunen Sand.

Die „Mamma Mia!“-Insel. Nur etwas mehr als 10 Kilometer von Skiathos entfernt liegt die doppelt so große Insel Skopelos. Hier wurde 2008 das Abba-Filmmusical „Mamma Mia!“ gedreht. Die Hochzeitsszene in der kleinen Kirche auf einem vom Meer umspülten Felsen – wir erinnern uns – wurde im Minikloster Agios Ioannis gedreht, dem fotogensten Platz der Insel. Auf Skopelos urlaubt es sich weit ruhiger und günstiger als auf Skiathos. Es gibt zwar kaum Sandstrände, die haben feinen bis groben Kies, aber hier herrscht schon griechische Gemütlichkeit. Auch die Preise sind auf Skopelos oft bis zu einem Viertel günstiger.

Skopelos Mamma mia Kirche

Kloster Agios Ioannis auf Skopelos: Hier wurde die Hochzeitsszene im Abba-Musicalfilm „Mamma Mia!“ gedreht

Wunderschön und denkmalgeschützt ist der alte Teil von Skopelos Stadt. Eng ineinander verschachtelt schmiegen sich die Häuser den Berghang am Hafen hinauf bis zur venezianischen Festung. Ein Pflasterstein-Gassengewirr mit Tausenden stufen und endlos vielen Fotomotiven. Die Hafenpromenade säumen gemütliche Tavernen und Bars. Hier lässt es sich trefflich den Tag mit Blick auf die einlaufenden Fähren verdösen. Zu meinem Lieblingsplatz wurde die Platanos-Bar. Da sitzt man im Schatten eines riesigen Ahornbaumes und hört feinste Musik aus Kuba und Afrika – darauf hat sich der Besitzer spezialisiert.

Meine liebsten Strände von Skopelos sind die Beaches Milia an der Westküste (feiner Kies, schattige Pinienbäume, uriges Restaurant) und Staphylos an der Südküste (windgeschützter Sandstrand mit kleiner Taverne). Unbedingt besuchen muss man das malerische Bergstädtchen Glossa an der Nordwestküste.

Staphylos Beach auf der Insel Skopelos

Staphylos Beach auf der Insel Skopelos

Die Insel für Individualisten. Keine 10 Kilometer von Skopelos entfernt liegt Alonnisos, mitten im ersten griechischen Marine-Nationalpark, in dem Delfine und Mönchsrobben leben. Gesichtet werden sie auf den angebotenen Bootstrips allerdings höchst selten. Trotz der seltenen Mönchsrobben galt die 130 km² große Insel noch als absoluter Geheimtipp. Und irgendwie ist sie das immer noch.

Außerhalb des Hafenstädtchens Patitiri scheint die Welt zu enden. Auf den Weg zu den Beaches fährt man durch extrem stark duftende Pinienwälder, die wenigen Dörfer haben meist nicht mehr als ein Dutzend Häuser. Einzige Ausnahmen sind der wenig attraktive Ort Votsi gleich neben Patitiri, das Fischerdorf Steni Vala an der Ostküste, indem sich drei Tavernen auf Fischgerichte spezialisiert haben, und Old-Patitiri, die alte Inselhauptstadt auf dem Berg über der neuen am Meer errichteten Stadt, die 1965 von einem Erdbeben zerstört wurde. Heute glänzt sie wieder und wird von Touristen gerne besucht. Einheimische und Ausländer haben die alten Häuser renoviert. Im Hochsommer sind die wenigen Tavernen und Restaurants überfüllt, die paar Quartiere ausgebucht. Man gibt sich schick mit alternativem Timbre. Mir persönlich ist Old-Patitiri zu gekünstelt, zu sehr Katalog-Kulisse. Ein normales griechisches Leben gibt es nicht mehr.

Dieses spielt in der neuen Kleinstadt am Hafen. Ich habe mich in sie verliebt. Statt geplanten zwei Tagen blieb ich eine Woche und bezog das meiner Meinung nach bestgelegene Quartier der Stadt: ein Zimmer mit riesiger Terrasse in der Pension Panorama auf dem senkrecht abfallenden Felsplateau zentral über dem Hafen. Ein Adlerhorst mit grandiosem Blick auf Bucht, Fischerboote, Fährschiffe und die Hafenpromenade. Und das zum Nachsaisonpreis von nur 25 € fürs Doppelzimmer.

Zu den Stränden ist es von Patitiri nicht weit. Mit dem Mofa sind auch die entlegensten in einer halben Stunde erreichbar. Mein Lieblingsstrand war Kokkinokastro, eine von roten Erdklippen bizarr umrahmte Bucht mit feinem Kies, glasklarem Wasser, und einer mit Palmwedeln gedeckten, bunt bemalten Holzbar wie in der Karibik.

Kokkinokastro Beach: Mein Lieblingsstrand auf der Insel Alonnisos

Kokkinokastro Beach: Mein Lieblingsstrand auf der Insel Alonnisos

Fährverbindungen. Im Sommer verkehren Fährschiffe mehrmals täglich zwischen den Inseln und vom Festland ab Volos und Agios Konstantinos. Tickets erhält man in den Häfen.

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1 reply »

  1. Oh, wie schöne Erinnerungen! Ich habe alle drei Inseln mit einem Motorradl befahren, lang ist’s her!

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