Madagaskar

Die ganze Welt auf einer Insel

Madagaskar. Regenwälder, Reisterrassen, Berge, Savannen: Madagaskar, das vielfältigste Land der Erde

Madagaskar

Mamy zischt. Mamy röhrt. Mamy knurrt. Er formt die hohle Hand vor dem Mund und gurrt jetzt gedämpft, spitzt dann die Ohren und lauscht. Mamy ist für seine Touristen wieder einmal erfolgreich: Im Obergeschoss des Regenwaldes raschelt es plötzlich und über unseren Köpfen turnt ein Dutzend Bambuslemuren im Geäst.

Mamy ist Öko-Guide im Ranomafana-Regenwald. Das drittgrößte Naturreservat Madagaskars ist 43.000 Hektar groß und die beste Adresse, um die putzigen Halbaffen in freier Wildbahn zu sehen. Zwölf von 31 Arten leben hier, darunter der erst 1986 entdeckte Goldene Bambuslemur. Und wer – bitteschön – will nicht Lemuren sehen, wenn er auf Madagaskar unterwegs ist? Schließlich kommen sie ja nur auf dieser Insel vor. Ebenso wie rund 12.000 Pflanzen, 200 Vogel- und 3000 Schmetterlingsarten oder 56 verschiedene Chamäleons.

Anderer Stern. Madagaskar ist ein eigener Kontinent. Etwa 500 Österreicher entscheiden sich pro Jahr für einen Urlaub auf der afrikanischen Insel am südlichen Wendekreis. „Ein Massenziel ist es nicht“, sagt Karl Klinger, Chef von Klinger Tours, bei dem die meisten buchen. „Madagaskar ist immer noch ein Abenteuer.“

Hugo Portisch, der sich in die Insel verliebt und dort zwei Universum-Dokumentationen gedreht hat, glaubt bei jedem Besuch „einen anderen Stern zu betreten“, derart vielfältig sei Madagaskar.

Tatsächlich findet man in keinem anderen Land der Welt so viele spektakuläre Landschaften. Dichte Regenwälder wie im Amazonas, bizarre Canyons und Felsformationen wie in Kalifornien oder Australien, Reisterrassen wie auf Bali, Wälder wie in Österreich, Savannen, Steppen und Traumstrände.

Fährt man auf der Route National 7 von der Hauptstadt Antananarivo im kühlen Hochland in die schwüle, 970 Kilometer entfernte Tropenstadt Tulear an der Südostküste, versteht man Hugo Portisch, wenn er glaubt, jedesmal einen anderen Stern zu betreten.

Madagaskar

Chamäleon-Straße. Kaum legt sich bei den Reisenden die Aufregung über eine fantastisch-schöne Landschaft, wird übergangslos die nächste eingeblendet. Die RN 7 ist wie ein Chamäleon. Szenerien und Farben wechseln ständig. Bereits die Hauptstadt überrascht. Antananarivo ist schmuck – mit blühenden Jacarandabäumen, einem See und heißem Nightlife, wesentlich adretter als die meisten Hauptstädte Afrikas.

Erstes Ziel auf der RN 7 ist Antsirabe. 170 Kilometer schlängelt sich die seit Kurzem asphaltierte Straße an Reis- und Maniokfeldern entlang. Die Erde ist rot, der Himmel blau, die Felder sind sattgrün. Ab und zu ein Stopp in einem Dorf. Die Kinder drängeln sich um Bonbons, die Eltern wollen Kleider und Essbares. Sie bitten ohne Aggression. Wir verteilen spendabel. Madagaskar zählt zu den zehn ärmsten Ländern.

Antsirabe – man glaubt, in Asien zu sein. Rikschas sind Hauptverkehrsmittel. Ein Erbe der asiatischen Einwanderer, die vor mehr als tausend Jahren die Insel besiedelten.

Bei Kilometer 215 wandelt sich Madagaskar erneut. Es wird gebirgig. Wälder wie in den Alpen rücken ins Bild, Granitblöcke, Gebirgsbäche.

Kilometerstein 380: Die RN 7 windet sich bergab. Es wird schwüler. Der Kleinbus biegt auf eine holprige Schotterstraße ab und taucht in den Regenwald von Ranomafana ein. Das ist nicht irgendein Urwald, sondern einer der letzten Primär-Bergwälder der Erde, so dicht wie der aus dem „Dschungelbuch“. Den größten Teil hat noch kein Mensch betreten.

Reisfeld-Fischer. Fianarantsoa, Kilometer 420: Man reibt sich die Augen. Reisterrassen wie auf Bali, in den Feldern Bauern mit Bambusangeln. Sie fischen Karpfen. Die gedeihen in den stets bewässerten Reisfeldern prächtig und bereichern den Speisezettel.

Zwei Autostunden südlicher: Teeplantagen und Weingärten. Leider schmeckt der Wein nicht so gut wie bei uns.

Kilometer 475: Ab Ambalavao wird die Szenerie spektakulär. Zwischen aufgetürmten Felsblöcken und Grabhäusern passiert man das „Tor des Südens“. Hier beginnt das karge Land, das die Einheimischen ehrfürchtig „den großen Süden“ nennen. Es ist das Land der Savannen, Steppen und Zebu-Rinder. Zehn Einwohner leben hier pro Quadratkilometer, Dürreperioden sind häufig.

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Wilder Süden. Für Touristen aber gibt’s zwei lohnende Ziele: Das Trekking-Paradies Isalo-Nationalpark bei Ranohira mit Kakteen, Baobab-Bäumen, Canyons und bizarren Felstürmen – und die Saphir-Stadt Ilakaka. Hier fand man vor sieben Jahren die weltweit reinsten dieser Edelsteine. Damals gab es acht Häuser. Jetzt hausen 100.000 Abenteurer in windschiefen Hütten und schürfen auf Teufel komm raus. Die Armee hat eine Station einrichten müssen, um die Kriminalität im Zaum zu halten. Ilakaka ist Wilder Westen pur.

280 Kilometer weiter glitzert nach einer Kurve der Indische Ozean. Tulear ist erreicht. Bei schwülheißen 40 Grad denkt man erstmals an die Flucht aus Madagaskar.

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