Europa

Ronda und die weißen Dörfer

Ronda ist ein Mussziel jeder Andalusienreise. Ein Schmuckstück in traumhaft schöner Berglage. Allerdings: Die Stadt quillt über von Touristen.

Japaner, Engländer, Deutsche, Holländer, Franzosen und und und. Man hört kaum ein spanisches Wort in den Gassen von Ronda. Die Einheimischen stehen fast ausnahmslos hinter den Verkaufstheken der Geschäfte oder sie servieren in den Restaurants und Bars.

Trotzdem: Ronda darf man nicht links liegen lassen. Im Gegenteil: Ich empfehle, zumindest zwei Tage dafür einzuplanen. Einen Tag für Ronda selbst. Und einen Tag für eine Rundfahrt zu den umliegenden weißen Dörfer in der Sierra Grazalema.

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Kühnes Bauwerk: Puente Nuevo über der Schlucht El Tajo

Spektakuläre Lage. Das Spektakulärste an Ronda ist seine Lage. Die Stadt ist auf zwei Felsmassiven erbaut, getrennt durch eine 100 bis 180 Meter tiefe Schlucht, den so genannten Tajo. Rund um die Stadt präsentieren sich majestätisch die Gipfel der Sierra Grazalema – und der Tajo ist nicht irgendeine Schlucht, sondern ein grandioses Fels-Szenario. Über ihn spannen sich drei gewaltige und kühn zwischen die Felsen hineingemauerte Bogenbrücken. Die größte, die Puente Nuevo, ist 100 Meter hoch und ein Meisterwerk des 18. Jahrhunderts.

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Faszinierend schön: Landschaft rund um Ronda

Rilke was here. Schon unser Altösterreicher Rainer Maria Rilke war von der „auf zwei Felsmassen hinauf gehäufelten Stadt“, wie er Ronda beschrieb, begeistert. 1913 verbrachte er hier dichtend. Andalusien (556)Die Stadt benannte ihm zu Ehren ein Gasse und das noble 4*-Hotel Reina Victoria, in dem Rilke ein Dachzimmer gemietet hatte, ehrt ihn mit einer lebensgroßen Statue. Und so nebenbei steht in Ronda auch noch die älteste Stierkampfarena der Welt. 1785 wurde sie eingeweiht. Für Fans des Stierkampfs ist sie ein heiliger Tempel. Mir persönlich gefällt die in Sevilla besser. Aber meine Meinung zählt da nicht, ich bin kein Stierkampf-Aficionado.

Andalusien (219)Gut essen. Von gut essen und trinken versteh ich schon ein bisschen mehr und darf daher zwei Lokale in Ronda besonders empfehlen: die schick-lässige la taberna auf der Plaza del Socorro 8 – ein In-Lokal mit feinster Küche und Weinen der besten Winzer aus der Region Ronda und moderaten Preisen. Mit 20 bis 25 Euro ist man bei einem Abendessen inklusive Getränken gut dabei. Das zweite Lokal, das ich in Ronda super finde, ist das traditionell-authentische Restaurant Royal, zwei Mal ums Eck von der „la taberna“ in der Calle Virgen de la Paz 41. Da sitzen sogar Einheimische an den Tischen und stehen nicht nur hinter der Bar. Hier habe ich die beste Paella in Andalusien gegessen und den besten Wein getrunken. Preislich liegt das „Royal“ etwa 20 Prozent unter der „la taberna“.

Weiße Dörfer. Genug gegessen und getrunken! Auf in die Umgebung von Ronda! Da liegen nämlich einige der schönsten „weißen Dörfer“ Andalusiens: Grazalema, Villaluenga, Benaocaz, El Bosque und Zahara.

Tagestour. Einen Tag sollte man sich für die „Weiße Runde“ – rund 100 Kilometer – Zeit nehmen. Die meist nur einspurige Straße windet sich in Serpentinen durch eine bizarr schöne Gebirgslandschaft, die an Sardinien und Korsika erinnert. Öfters führt sie auch durch schattige Korkeichen-Wälder.

Fotogen. Alle diese weißen Dörfer liegen überaus fotogen an Berghängen, Zahara ganz besonders imposant unter einem Felsplateau, auf dem auch noch ganz theatralisch eine Burgruine thront. Und unten im Tal glänzt die grünblaue Wasserfläche des Stausees Guadalete. Die Szenerie ist so schön, als ob sie ein Maler der Romantik gepinselt hätte.

Man muss nicht durch alle Dörfer flanieren – sie sind sich letztlich doch recht ähnlich. Zahara und Grazalema sind aber auf jeden Fall einen längeren Stopp wert. Und bitte unbedingt in eine der Bodegas in den Dorfzentren am Kirchplatz einkehren. Die sind in diesen Dörfern noch wirklich urig und das Essen ist bestens. Da kocht wohl noch die Mama. Meistens gibt’s nur drei, vier Gerichte und keine Speisekarte. Für ein kleines Mittagessen mit einem Bier zahlte ich im Schnitt 5 €.

Schön an dieser Runde durch die weißen Dörfer der Sierra Grazalema ist auch, dass da kaum Autos und Touristen unterwegs sind. Offenbar haben die meisten Ausländer mit Mietautos Respekt vor den kurvigen, engen Gebirgsstraßen. Für uns Alpen-gewohnte Österreicher ist das zum Glück kein Problem.


Hinweis: Diese Reise wurde von Raiffeisen Reisen unterstützt. Raiffeisen Reisen bietet  spezielle Andalusien-Rundfahrten. 6 Tage mit Flug und Halbpension in 4*-Hotels und vielem mehr ab 799 €.


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13 replies »

  1. Großartig gemacht die Beiträge. Scheibchen für Scheibchen sozusagen 🙂 Haben im Oktober in Andalusien gedreht und Du sprichst mir mit Deinen Infos und Kommentaren aus dem Herzen. Viel persönliche Info und auch ein bisschen Hintergrundgeschichten – da kriegt man richtig Lust die Region zu bereisen.
    Großes Kompliment – war von einem Profi wie Dir auch kaum anders zu erwarten ! Weiter so. Ich freu mich schon auf die kommenden Beiträge .

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