Abenteuer

Mit dem Mofa von Riejka nach Dubrovnik – Teil 2

Slow Travel Croatia. 600 Kilometer auf einer der schönsten Küstenstraßen der Welt. Durchschnittstempo 30 km/h. Nach drei Tagen hat sich mein Zeitgefühl verändert. Ich könnte jetzt mit Nepal fahren.

Drei Tage und 300 Kilometer bin ich jetzt schon auf der Jadranska Magistrale unterwegs. Die Adriatische Küstenstraße zählt zu den schönsten der Welt. Sie schlängelt sich in Tausenden Kurven und fast immer mit Blick auf Meer und Inseln entlang der gesamten Adria-Küste – von Rijeka bis Dubrovnik, danach weiter durch Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Die ehrwürdige Festungs- und Domstadt Šibenik habe ich jetzt erreicht und damit die halbe Strecke bis Dubrovnik geschafft. Zeit für ein erstes Slow-Travel-Resümee. (hier zum Nachlesen: Teil 1 der Mofa-Tour)

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Mit 30 km/h Durchschnittstempo zu reisen, verändert die Sicht auf die Welt und sich selbst. Kroatien, das ich ja recht gut kenne, erscheint mir jetzt riesengroß. Aber das stört nicht. Nach drei Tagen hat sich ein neues Zeitgefühl eingestellt. Ich kann mir jetzt vorstellen, auch bis Griechenland, ja sogar bis in die Türkei und Nepal mit dem Mofa zu reisen.

Es geht nicht mehr darum, schnell eine Distanz zu überwinden, um anzukommen. Ich komme eh jeden Tag an. Und ich erlebe jeden Tag wesentlich intensiver, als bei einer Reise mit dem Auto oder gar mit dem Flugzeug. Ich spüre den Wind im Gesicht, denn mit dem Mofa brauche ich ja keinen Vollvisierhelm wie meine hochmotorisierten Zweirad-Kollegen. Ich muss bei 30 km/h auch nicht ständig auf den Asphalt starren, um ja kein Schlagloch und keine Kurve zu übersehen. Ich kann mir in Ruhe das Meer anschauen, Menschen beobachten, wenn ich durch ein Dorf fahre. Ich rieche die harzigen Pinien, die salzige Luft und die Essensdüfte, die um die Mittagszeit aus den Häusern dringen. Das alles ergibt das ultimative Gefühl von Freiheit. Ihr könnt mir glauben, ich habe oft gebrüllt vor Freude.

Und ich reise extrem günstig. 2 € kostet mich der Sprit auf 100 km. Wenn ich nach 200 Kilometer 3 Liter nachtanke, muss ich mit Fingerspitzengefühl an der Benzinpistole drücken, sonst schwappt das Benzin gleich über.

Schmunzeln muss ich jedes mal, wenn ich durch ein Dorf mit Geschwindigkeitsmessung fahre. Trotz Vollgas zeigen die Leuchtziffern auf den Tafeln nie mehr als 40 km/h an und darunter leuchtet das Wort Hvala, was Danke heißt. Das ist schon süß. Ich quetsche alles aus meiner Tomos Classic raus und das Dorf bedankt sich, dass ich nicht zu schnell fahre.

Ab Šibenik ist die Jadranska Magistrale besonders reizvoll. Üppige mediterrane Vegetation, Dutzende Inseln, Seen, Flüsse und ein paar traumhaft schöne Städte bringen optische Abwechslung in meine gemütliche Fahrt.

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Bei Šibenik mündet die Krka ins Meer, Die berühmten Wasserfälle liegen ein paar Kilometer landeinwärts

Šibenik lohnt einen Stopp. Die ehrwürdige Festungs- und Domstadt liegt an der Mündung des Flusses Krka. Die berühmten Krka Wasserfälle (17 sind es genau) liegen etwas weiter im Landesinneren. Ein grandioses Naturparadies. Ich war schon dort. Diesmal reicht die Zeit nicht. In Šibenik beeindrucken der gewaltige Dom und das Gassenlabyrinth in der terrassenförmig angelegten Altstadt. Ein Garant zum Verirren – angeblich auch für Einheimische.

Primošten, 30 Kilometer weiter, zwingt zum nächsten Stopp. Es ist ein Hafenstädtchen zum Schwärmen, das alle touristischen Erwartungen mediterraner Romantik einlöst. Über den schönen alten Kalksteinhäusern thront die Kirche, im kleinen Hafen schaukeln Segelboote und liegen ein paar urige Konobas (Wirtshäuser).

Trogir ist eine Schatztruhe. Pures 15. Jahrhundert und UNESCO Weltkulturerbe. Nur 33 Kilometer sind es ab Primošten, aber der Tag wird in dieser Stadt knapp. Zu viel gibt es zu sehen. Zum Glück war ich schon zweimal hier und es reicht eine Auffrischung. Also hinein ins Zentrum zum Hauptplatz, wo die wunderschöne erst kürzlich renovierte Renaissance-Kathedrale, der venezianische Rektorenpalast und sonst noch ein paar hübsche venezianische Palazzi stehen. Noch schnell ein Espresso auf der Promenade am Kanal von Trogir – und weiter geht’s mit heißen 35 km/h Richtung Dubrovnik.

Split lass ich links liegen. Die Stadt reizt mich nicht. Außer der schönen Promenade und dem Diokletian-Palast, diesem monumentalen Altersitz des römischen Rentners Gaius Aurelius Valerius Diocletianus, konnte ich ihr nie viel abgewinnen. Ich freu mich viel mehr auf die Makarska Riviera, die als nächstes Highlight an der Küstenstraße liegt. Da bin ich bisher nur mit dem Auto vorbei gebraust. Dabei gibt es dort die schönsten Strände Kroatiens.

Wie schön die Makarska Riviera ist, erzähle ich euch hier im 3. Teil meiner Reportage. Demnächst auf diesem blog. Also dran bleiben.

ZUM NACHLESEN

Mofa-Tour Teil 1: Von Rijeka bis Primosten und mein Kampf gegen die Bora

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