Abenteuer

Mit dem Mofa von Riejka nach Dubrovnik – Teil 3

Slow Travel Croatia. 600 Kilometer auf einer der schönsten Küstenstraßen der Welt. Mit 2,3 PS und Durchschnittstempo 30 km/h. Jetzt kurve ich durch Mitteldalmatien – durchs wildromantische Seeräuber-Städtchen Omiš und entlang der fabelhaft schönen Makarska Riviera.

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Keine Wolke am Himmel, sattgrüne Pinienwälder und rechts von mir – im tiefblauen Meer – die Insel Brač. Mein Mofa surrt brav, der Fahrtwind ist lau und voll harziger Düfte. Schön ist das Leben im Slow-Travel-Gang.

Es ist Tag vier meiner Reise nach Dubrovnik auf der Adriatischen Küstenstraße, der Jadranska Magistrale, mit meinem 2,3 PS-starkem Einsitzer-Mofa Tomos Classic XL 45. Zwei Drittel der Strecke liegen bereits hinter mir. Und vor mir – das Seeräuber-Städtchen Omiš. Pathetisch liegt es in einem bizarren Canyon an der Mündung der Cetina. Die alten Steinhäuser schachteln sich am schmalen Flussufer vor den senkrecht aufragenden Felsen der Schlucht. Omiš macht sich gut auf Fotos.

Noch 30 Kilometer und ich bin an der viel gerühmten Makarska Riviera. Wow! Wenn ich nochmals einen Badeurlaub in Kroatien verbringe, dann hier. Wie auf einer Perlenschnur reiht sich eine traumhaft schöne Badebucht an die nächste. Weiße Kiesstrände gesäumt mit Pinien und Kiefern. Dazwischen reizvolle alte Orte. Und das alles in einer Landschaft, die nicht spart mit Dramatik: Vor mir im Meer liegen die Inseln Brač, Hvar, Korčula und Vis – und hinter dem schmalen, grünen Küstenstreifen ragt grau, steil und bizarr das zerklüftete Felsgebirge Biokovo 1700 Meter in den Himmel. Die Auswahl an Stränden ist enorm. Einige der schönsten habe ich bei den Orten Brela, Baška Voda, Tučepi, Podgora, Drevnik, Gradac und Makarska gesehen.

Makarska ist der größte Ferienort an der Rieviera, sympathisch mediterran, mit vielen Geschäften, guten Cafès und Restaurants. Neben dem eineinhalb Kilometer langen Kieselstrand Donja Luka hat Makarska auch ein paar nette, von Felsen umrahmte Sandbuchten. Ich übernachte und bade ausgiebig in Tučepi. Ein feiner Badeort mit einem malerisch weißen Strand, netten Hotels, Apartments und einer blitzsauberen Palmenpromenade, an der sich über zwei Kilometer Weinstuben, Pizzerien, Shops und Restaurants aneinanderreihen.

Tag fünf und nur noch 150 Kilometer bis Dubrovnik. Soll ich mein Durchschnittstempo auf 20 km/h drosseln, um die Schönheiten der Jadranska Magistrale noch lange genug auskosten zu können? Denn die landschaftlichen Highlights reißen nicht ab. Nach der Makarska Riviera schraubt sich die Küstenstraße in die steilen Hänge des Bilkovo-Massivs. Der Blick auf Meer und Inseln wird von Serpentine zu Serpentine fantastischer und meine Tomos immer heißer. Das arme Ding quält sich, hält aber wacker durch. Dann endlich geht’s wieder bergab. Die Jadranska biegt vom Meer weg und führt mich durch ein Hochplateau mit duftenden Trockenwiesen und einem glasklaren See.

Nach ein paar weiteren Kurven habe ich wieder Blick aufs Meer und ein riesiges grünes Becken mit Flussläufen, Kanälen, Gemüse- und Obstplantagen. Ich fliege jetzt mit 50 km/h die Ausläufer des Bilkovo-Gebirges hinunter ins Delta der Neretwa. Ein völlig anderes Szenario tut sich hier auf. Die Städte Ploče, Rogotin und Opuzen liegen an Kanälen und sind von sattgrünen Plantagen umgeben. An der Straße stehen kilometerweit Verkaufsstandln der Bauern mit Obst und Wassermelonen. Der richtige Platz für eine ausgedehnte Mittagsrast.

Danach wird’s spannend. Die Jadranska Magistrale führt 9,3 Kilometer durch Bosnien-Herzegowina und ich habe keine Grüne Versicherungskarte für mein Mofa mit dabei. Komm ich durch? Oder ist das Abenteuer Küstenstraße 70 Kilometer vor Dubrovnik zu Ende?

Die Grenzpolizei interessiert sich besonders stark für mich, stellt unendlich viele Fragen: Ob ich den ganzen Weg von Wien mit dem Mofa gefahren sei. Ob das eine alte Tomos ist. Wie gut sie läuft. Wie weit ich noch will. Und. Und. Und. Mein Pass interessiert sie nur am Rande, meine Versicherungskarte überhaupt nicht. Gute Reise! Und ich darf weiter fahren. Slow Travel lenkt ab, zumindest bosnische Grenzbeamte.

Noch zwei Stunden Vollgas und ich mache mein nächstes Foto – hurra hurra – vor der Ortstafel Dubrovnik. Dann düse ich hinein in die wunderschöne Stadt – auf ein Bier, Zimmersuche und einen ausgedehnten Abendbummel. Vor einem Jahr war ich das letzte Mal da. Wie damals bin ich von Dubrovnik begeistert – die Stadt ist beinahe so schön wie Venedig – aber auch entsetzt, denn sie ist überschwemmt mit Touristen. Seit immer mehr Kreuzfahrtschiffe hier stoppen, drängen sich im Sommer täglich Tausende durch die Altstadt, die immer mehr zur reinen Kulisse für den Massentourismus verkommt. Ein normales Leben gibt es fast nicht mehr. Einheimische wohnen kaum mehr in der Altstadt. Siehe dazu meine Story aus dem Vorjahr.

Ganz zu Ende ist mein Mofa-Trip in Dubrovnik noch nicht. Morgen fahre ich weitere 150 Kilometer in ein kleines Nest in Herzegowina. Dort wohnt ein Freund von mir, der mein Auto von Rijeka geholt hat. Das Mofa wird wieder ins Auto gepackt und es geht mit 140 km/h zurück nach Österreich. Sicher mit Überlegungen, wohin die nächste Slow-Travel-Tour per Mofa gehen könnte. Denn eines ist klar: Im Mofa-Tempo reist es sich besonders schön.

ZUM NACHLESEN
Mofa-Tour Teil 1: Von Rijeka bis Primošten und mein Kampf gegen die Bora
Mofa-Tour Teil 2: Von Primošten bis Split und wie Slow Travel die Sicht auf die Welt verändert

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