Abenteuer

Klettertour für schwindelfreie Autos

Montenegro. Die Bucht von Kotor ist Sehnsuchtsziel für Segler und Motorjacht-Kapitäne. Auch die Umrundung mit dem Auto ist ein Landschaftsgenuss. Wer Sie aber vom Balkon in 1000 Meter Höhe sehen will, muss über die abenteuerliche alte Straße fahren. Und zwar von oben nach unten. Eine Tour für Mutige.

Am Balkon über dem Meer: Alte Straße nach Risan, heute ein Wanderweg

Am Balkon über dem Meer: Alte Straße nach Risan, heute ein Wanderweg

Die Bucht von Kotor gehört mit zum Schönsten was die famose montenegrinische Küste an landschaftlichen Attraktionen zu bieten hat. 30 Kilometer zieht sie sich ins Landesinnere, düster umrahmt von den schwarzen Bergen Montenegros, die hier schwindelerregend steil abfallen. Teile der Bucht sind UNESCO-geschütztes Weltkultur- und Weltnaturerbe. Wobei Bucht eine Untertreibung ist. Eher ist es ein Fjord, ein Verbund von vier Meeresbecken, durch Engstellen abgesetzt. Kotor, das dem ganzen Ensemble seinen Namen gibt, liegt ganz am Ende im letzten Becken.
Einmal um die Bucht zu fahren, gehört zum touristischen Pflichtprogramm, so man mit dem Auto unterwegs ist. Das machen alle – ist wunderschön, aber kein Abenteuer, weil sich die Straße brav und ohne große Höhendifferenzen herum schlängelt.

Wenn Sie es so richtig spektakulär wollen – dann nehmen sie die alte Straße, die sich bei Risan einspurig und in extremen Serpentinen 1000 Meter hoch den Steilhang hinauf schraubt. Am besten fahren Sie sie von oben nach unten. Da bleibt Ihnen garantiert die Luft weg. Schon gleich auf den ersten Metern, wenn sie auf 1000 Meter Seehöhe von der breiten neuen Straße, die ins Hinterland führt, in die alte einbiegen – mit Senkrecht-Blick auf die Bucht.

Durchschnaufen: Weiter unten wird die Straße breiter

Durchschnaufen: Weiter unten wird’s breiter

Ich bin als Tiroler Bergstraßerln gewohnt, bin in Tibet, in den Anden und im Kaukasus schon extreme Gebirgsstraßen gefahren – aber diese alte Straße bei Risan ist eine ungesicherte Klettertour. Da musst du schwindelfrei sein und dein Auto dazu. Da fährst du wie auf einem Balkon den Steilhang entlang. Mit Blick hinunter wie vom Dach eines Wolkenkratzers.

Keine drei Meter ist die Straße breit, die heute übrigens als Wander- und Mountainbike-Weg genützt wird. Ich war als einziger im Auto unterwegs, traf nur zwei Mountainbiker, die sich bergauf quälten und sich gleich an den Berghang drückten, als ich ihnen mit heißen 7 km/h entgegen rollte.
Der Asphalt auf der alten Straße ist schon dünn und brüchig wie Eiterbeulen. Am Rand bröselt er zum Abgrund weg. Leitplanken gibt es nur mehr an ein paar Stellen. Und die sind verrostet.
Nach den ersten 100 Metern habe ich die Idee, da hinunter zu fahren, verflucht. Ehrlich! Ich bin ausgestiegen und 50 Meter weiter bis zur nächsten Kurve um die Bergnase gegangen, um zu schauen wie es da weitergeht. Umdrehen ist nämlich nicht möglich. Und zurückschieben sicher so spannend wie Seiltanzen über einer Schlucht. Es ging dann im gleichen Schwierigkeitsgrad weiter. Also bin ich gefahren. Und habe mich damit beruhigt, dass es ja eh nicht so schlimm sein kann, sonst würde ja ein Fahrverbotsschild da stehen – selbst in Montenegro.

Herz der Bucht: Die kleine Insel "Maria vom Felsen"

Herz der Bucht: Die kleine Insel „Maria vom Felsen“

Nach ein paar Kehren gewöhnt man sich an den „Saumpfad“ im Steilhang und genießt den Blick nach unten auf die Bucht. Echt super. Und dann – weiter unten – wird eh alles ganz easy. Die Straße führt durch den Laubwald, der Hang ist nicht mehr so steil, man schnauft durch und freut sich: Super war’s!

Damit Sie den Weg finden: Man fährt auf der neuen autobahnähnlichen Straße, die zwischen Morinj und Strp von der Uferstraße abbiegt in Richtung „Vi lusi Cevo“. Nach ca. 8 Kilometer und auf etwa 1000 Höhenmeter, biegt am Ende der Bucht eine kleine Straße rechts ab. Es ist die erste Abzweigung. Hinweisschild gibt es keines.

 

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