Abenteuer

Autoreparatur auf griechisch

Griechen finden immer eine Lösung. Sie brachten meinen kaputten Scheibenwischermotor mit Geduld und Improvisationskunst wieder zum Laufen. 

Griechische Mechanikerkunst zwingt Scheibenwischer wieder zum Reinigunsdienst

Griechische Mechanikerkunst zwingt Scheibenwischer wieder zum Reinigungsdienst

Grrrmml, grrrmml, grrmml – und er steht – der Scheibenwischer meines KIA Carens, mit dem ich noch ein Monat durch Griechenland reisen will. Kein noch so feines Summen des Scheibenwischermotors ist mehr zu hören. Nicht gerade super.

Was kann kaputt sein?

Die Sicherung (wäre der Glücksfall)

Das Relais (auch kein großes Problem)

Der Schalter (wäre fatal und würde den Ausbau der Lenksäule und des Airbags nötig machen)

Oder der Motor (auch nicht lustig). 

Check im Internet. Die nächste KIA-Werkstätte ist 50 Kilometer entfernt in Volos. Zwei-Mann-Betrieb, freundlicher Mechankiker, aber spricht kein Wort Englisch und ich kein Griechisch. Verständigung mit Hand und Fuß.

Er checkt Sicherung. Ist ok.

Er checkt Relais. Auch ok.

Er baut Scheibenwischermotor aus. Fährt mit ihm weg und lässt ihn prüfen. Nach eine halben Stunde kommt er wieder. Motor kaputt!

Shit! Könnte teuer werden.

Er hat keinen Motor für mein Modell. Anruf bei KIA in Saloniki. Die haben auch keinen. Anruf bei KIA in Athen. Haben auch keinen. In ganz Griechenland gibt es keinen für den KIA Carens.

Er ruft mehrere Auto-Ausschlachter an. Nirgends ein gebrauchter zu bekommen.

Dann kommt Hilfe. Nikos, Betreiber eines Kaffeemaschinen-Service gleich nebenan, ist in Deutschland aufgewachsen, spricht perfekt Deutsch und nimmt sich der Sache an.

Ich schlage vor, den Motor neu wickeln zu lassen. Nikos weiß einen Freund in der gleichen Straße, der Motoren wickelt und tröstet: Griechen finden immer eine Lösung.

Der Motorenwickler schüttelt den Kopf – diesen Motor könne er nicht wickeln. Macht aber Hoffnung. Wenn einer was tun kann, dann ein Freund von ihm, ein Meister der Improvisation, 500 Meter weiter.

Nikos bringt mich hin. Der Improvisationsmeister wiegt zweifelnd den Kopf. Er könne den Motor zwar aufmachen, wenn die Wicklung aber abgebrannt sei, sei nichts zu machen.

Schraub, schraub – die Wicklung sieht passabel aus. Aber die Elektromagnete sind defekt. Er repariert sie. Wenn die Wicklung tatsächlich noch gut ist, müsste er wieder rennen, meint er, schwingt sich mit dem Motor aufs Fahrrad und fährt zur Werkstätte, in der mein Auto steht. Nach einer halben Stunde kommt er wieder. Grinst und sagt: Motor läuft. Alles sei wieder so, als ob nie etwas gewesen wäre. Ufff!!!

Mitterweile haben sich zwei Automechaniker, ein Motorenwickler, ein Improvisations-Meister und der dolmetschende Nikos einen halben Tag lang mit der Reparatur beschäftigt. In Österreich hätte man mich wohl längst achselzuckend abgewiesen.

Ich mache mich auf eine saftige Rechnung gefasst. Aber Griechen rechnen anders. Ich zahle beim Improvisations-Meister 30 €, in der Werkstatt 40 €.

Danke Griechenland – und vor allem Nikos!!!!

 

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