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Null Komfort: Mein Flug mit der S7 von Irkutsk nach Moskau

S7-Flotte wird verjüngt und mit neuen Maschinen aufgestockt

S7-Flotte wird verjüngt und mit neuen Maschinen aufgestockt

Mit Air Berlin und Laudas Airline Niki kooperiert die zweitgrößte russische Airline S7 ab 1. Dezember. An der AUA ist sie nach wie vor interessiert. Sollte sie da am 28. Oktober tatsächlich den Zuschlag erhalten, prallen zwei Welten aufeinander: Komfort, Entertainment  und Essen  an Bord der S7-Maschinen sind im Vergleich zu Austrian eine Katastrophe. Ich hatte vor ein paar Tagen die Gelegenheit, die S7 einmal aus Sicht eines ganz normalen Kunden genauer unter die Lupe nehmen zu können. Von Irkutsk am Baikalsee flog ich mit einem Airbus 310 der S7 Airlines in der Economy-Class nach Moskau –  sechs Stunden Zeit, mir ein  Bild zu machen. Hier ein Auszug meiner Story, die am Sonntag (19.10.2008) im KURIER erschienen ist.

Außen hui. Der erste Eindruck  ist poppig-frisch. Nicht nur außen präsentieren   sich die S7-Flugzeuge  seit zwei Jahren in knalligem Grün, Gelb  und Rot, auch innen dominieren diese Farben. Die Stewardessen  tragen zart rot gestreifte Hemden  und giftgrüne, ärmellose Pullis.   Beim Blick über die Sitzreihen  wähnt man sich auf einer Blumenwiese  –  die Lehnen sind im Kopfbereich mit gelben, roten und grünen Schutztüchern überzogen.

Innen pfui. Abgesehen von  der jugendlichen Schminke bietet die S7 aber Steinzeit-Komfort. Die Bestuhlung in dem schwer betagten Airbus  ist extrem eng, die Plastikverkleidungen sind vergilbt, teilweise grindig und locker. Bord-Entertainment gibt es keines: keine Bildschirme, keine Musik. Auf Service-Durchsagen des Piloten –  etwa Wetter am Zielort oder  erwartete Ankunftszeit – wartet man vergeblich.
Bemüht  Die Stewardessen sind zwar korrekt freundlich und bemüht, das Essen ist aber fast ungenießbar. Zur Wahl gab es immerhin Huhn, Rind und Fisch. Sehr gut war lediglich der  Kaffee. Ein dickes Plus gibt’s auch  für die Wasserversorgung.

Auf dem Sechs-Stunden-Flug bot die Crew den Gästen an die zehn Mal Mineralwasser  an, das ist heute selbst bei renommierten Airlines nicht mehr selbstverständlich.  Der Flüssigkeitsbedarf war auf diesem Flug allerdings auch außergewöhnlich hoch, denn die  Maschine war stark  überheizt. Vielleicht weil wir über Sibirien flogen. Es hatte   geschätzte 25 Grad Celsius an Bord.

Neue Flugzeuge. Die S7-Flotte umfasst zurzeit 74 Maschinen. Die meisten sind uralt. 27 vom Typ Tupolew 154 und acht Iljuschin-86 stammen aus den 70er- und 80er-Jahren. Auch die sieben A-310-Flieger  sind  besorgniserregend alt.
Laut S7-Geschäftsführer Vladimir Filew,  soll die Flotte radikal verjüngt werden. Die alten Sowjet-Maschinen  sollen bis Ende des Jahres aus dem Verkehr genommen und rasch durch modernere Airbus- und Boeing-Modelle ersetzen werden. Noch heuer bekomme die Airline, so Filew, acht A-320 und acht Boeing-Flugzeuge, im nächsten Jahr weitere  25 Airbus-Flieger. Und bis 2014 nochmals 25 neue Boeings.
S7 ist  nach Aeroflot die zweitgrößte russische Airline, bei Inlandsflügen ist sie  mit mehr als 40 Millionen Passagieren pro Jahr sogar die Nummer 1. Seit Sommer 2008 gehen die Passagierzahlen allerdings zurück. „Um profitabel zu bleiben werden jetzt nicht nur die alten Maschinen ausgemustert, sondern auch 1000 Techniker und 600 Crew-Mitglieder entlassen“, sagt Kurt Hofmann. „Die fackeln da nicht lange.“

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Kategorien:Airlines, Asien, Europa, Russland

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1 reply »

  1. Null Komfort ok. Als ich noch ein kleines Kind war kann ich mich daran erinnern, dass wir einmal mit einer russischen Linie innerhalb Russlands geflogen sind. Dabei flogen wirklich nicht nur Menschen in der Kabine mit, sondern auch Viehzeug der Menschen, die das Flugzeug nutzten. Kein Komfort, Schmutz und verarmte Menschen, aber Abenteuer pur.
    Man ist halt als normaler Mitteleuropäer mehr gewohnt.

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