Abenteuer

Lagerleben in der Transsib

Ursprünglich hochgeladen von karl.jeller

 

40 Stunden sitze ich jetzt schon in der Transsibirischen Eisenbahn, Kilometerstein 2382 von Wladiwostok Richtung Moskau. Die Bartstoppeln stechen, die Kopfhaut juckt, das Abteil duftet. Der Blick aus dem Fenster zeigt Bekanntes: Birkenwald links, Birkenwald rechts seit Wladiwostok, nur ab und zu ein paar Datschen, ein Fluss, eine Stadt. Ich verbringe die meiste Zeit im Speisewagen: bei Borsch-Suppe, Schaschlik, Kaviarbrot, Wodka, Bier und schlechtem Rotwein. Für die Körperreinigung gibt`s in jedem Waggon ein Waschbecken am Klo. Im Bettwäsche-Set ist ein 40 x 40 Zentimeter großes Handtuch. Das reicht für die Transsib-Wäsche. Am 1. Tag war das Gesicht dran, am zweiten Hals und Achseln, morgen werden ich mir die Region zwischen Brust und Bauchnabel vornehmen. Drei- bis viermal am Tag habe ich Ausgang, wenn der Zug in einer Station länger als 3 Minuten hält.

Überlebens-Utensilien wie Fertigkaffee, Hering, Wasser, Brot kauf ich mir bei den Händlern am Bahnsteig, das heiße Wasser gibt’s aus dem Samovar, den der Waggon-Schaffner ständig mit Kohle heizt. Ich fahre bis Irkutsk am Baikalsee – 4103 Kilometer bzw. 70 Stunden von Wladiwostok . Bis nach Moskau wären es 9288 Kilolmeter bzw. eine Woche – oder ein Viertel um die Welt. Wer das durchsteht, genießt meine Hochachtung.

Kategorie Slow Travel

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