Österreich

Bad Kleinkirchheim: Hochgeistiger Maître

Zimmer? Bad? Frühstücksbuffet? – letztlich entscheidet die Bar und wer dahinter steht, wie wohl ich mich in einem Hotel fühle und wie ich mich überhaupt so fühle im Urlaubsort. Meine letzten Erfahrung diesbezüglich war himmlisch. Im Hotel Prägant im Kärnter Skiort Bad Kleinkirchheim steht abends der Maître d’hotel, Hans Kircher, höchstpersönlich hinter der Bar. Und Hans ist, das kann ich heute behaupten, ein wahrlich großer Meister seines Faches.

Wegen seiner einladend freundlichen Art führte mein Weg aufs Zimmer bald nur mehr über seine Bar. Zu fortgeschrittener Stunde erzählt Hans dann gern Anekdoten von prominenten Hotelgästen. Vom Bode Miller zum Beispiel, der auf seinen Weltcup-Touren nie in Hotels sondern hinter ihnen wohnt, weil er sich nur in seinem Wohnmobil wohlfühlt. Im Prägant blockierte er fast den gesamten kleinen Parkplatz. Ins Hotel kam er nur, um sein Mineralwasser-Depot aufzufüllen. Und nach den Rennen spielte er mit kurzer Hose im verschneiten Garten Fußball bei Minusgraden. „A verruckter Hund“, sagt der Hans.

Oder die Geschichte über die Japanische Fußball-Nationalmannschaft, die im September 2007 im Haus gastierte, weil sie in Klagenfurt gegen Österreich antrat. „Einem aus dem Betreuer-Team hab ich ein paar Schnapserln verkosten lassen“, erzählt der Hans. „Aber die Japaner vertragen den Alkohol ja so schlecht, der hat gleich mit dem Kopf da auf der Theke aufg’schlag’n.“

Richtig tief beeindruckt hat mich der Hans mit seiner Fähigkeit, einem mit traumwandlerischer Sicherheit durch die hochgeistigen Genüsse des Alkohols du geleiten. Da sprechen wir jetzt nicht vom Trinken sondern Genießen, vom Erklimmen höchster Erlebniswelten sozusagen. Beim Hans beginnt der Einstieg in diese Welt nicht mit der üblichen Barkeeper-Frage „Was darf’s denn sein?“, sondern mit der Frage: „Was hast schon trunken?“ – also mit dem Erheben des status quo, der wichtigen Analyse für einen perfekten Bar-Abend. Bei mir waren es an diesem Abend ein Seidel Bier, zwei Achterln Rot vom Hillinger Cuvee zum Essen und ein selbst gebrannter Marillen-Schnaps aus der Region.

„Schwer zu Toppen“, sinniert der Hans kopfwiegend. Läßt aber Hoffnung aufkommen. „Da müss ma zuerst a bissal runterschrauben. Iß a Stückl Brot und i bring dir an Maschanska.“ Wer es nicht weiß: Ein Maschanska ist ein kleiner Apfel, der nur schwer zu finden ist und flüssig am besten schmeckt. Danach schraubte mich der Hans zu weiteren Anekdoten über Küchenlehrlinge und Lokalpolitiker in höhere Etagen der angenehmen Befindlichkeit. Auf den Maschanska servierte er einen Schlehen-Schnaps (wer’s nicht weiß: Schlehe ist eine Mini-Pflaume), dann einen Vogelbeerschnaps und einen Marillenbrand von einem Bauern aus dem Tal. Zum Schluss wärmte er Herz und Gaumen mit einem Himbeer-Geist.

Auf dem Genußweg zum Gipfel musste ich kein Tal durchschreiten, der Pfad, den Hans vorgab, führte kontinuierlich nach oben. Jedes Schnapserl toppte den Geschmack des vorher gehenden. Ich muss gestehen, ich freute mich jeden Tag meines Aufenthaltes auf den fortgeschrittenen Abend mit der Hansschen Analyse und seiner hochgeistigen Routen-Empfehlung.

Hotel Prägant

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